Handball-WM in Corona-Zeiten: Systemrelevante Spiele

Die Handball-WM im Januar 2021 in Ägypten soll in jedem Fall stattfinden. Das Turnier ist die Cashcow, nicht nur für den Weltverband.

IHF-Präsident Moustafa überreicht den WM Pokal 2019 an die dänische Mannschaft

Hassan Moustafas wertvollster Schatz: der Pokal für die Handball-Weltmeister Foto: Sven Simon/imago

„Es gibt aktuell keine corona-bedingte Reisewarnung für Ägypten, aber für Luxemburg und Teile Spaniens“, sagt Patric Strub. Der „Competitions Director“ der IHF ist bemüht, der in Deutschland geführten Diskussion um die Austragung der Weltmeisterschaft im kommenden Januar die Schärfe zu nehmen. Strub ist Deutscher und hat in Basel, dem Sitz der Internationalen Handball-Föderation, mitbekommen, dass in seiner Heimat darüber nachgedacht wird, ob die WM im nächsten Jahr stattfinden soll. „Nach derzeitigem Stand gibt es keinen Grund, die Weltmeisterschaft abzusagen“, sagt Strub.

Derzeit ist nicht klar, unter welchen Bedingungen das Turnier ausgetragen werden kann, aber die Ausrichtung der globalen Titelkämpfe wird nicht in Frage gestellt. Die IHF hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die verschiedene Szenarien durchspielt. Es ist denkbar, dass die WM ohne Zuschauer stattfindet oder nur mit einer begrenzten Anzahl von Fans in den Arenen.

Möglicherweise wird ein „Bubble-Konzept“ angewendet, ähnlich dem im Basketball. „Es gibt verschiedene Szenarien, die derzeit erarbeitet werden“, sagt Strub – eine Absage der WM ist deshalb kein Thema. Die TV-Vermarktung bringt dem Weltverband eine Millioneneinnahme. Die Fallzahlen in Ägypten bewegen sich auf einem niedrigen Niveau, so der IHF-Vertreter.

„Alle Indikationen, Anweisungen und Informationen sagen Ja“, gibt sich ein Sprecher des Organisationskomitees der WM in Kairo zuversichtlich. In Ägypten sind die WM-Planer zuversichtlich, Zuschauer in den Arenen zulassen zu können, nachdem das Land zuletzt eine deutlich sinkende Anzahl von Coronaneuinfektionen vermelden konnte.

Der Plan steht

Am 5. September ist die Gruppen-Auslosung geplant, weiterhin soll an vier Standorten gespielt werden. Die Weltmeisterschaft im Januar soll nicht nur die besten Mannschaften der Handball-Welt ins Land holen, sondern gleichzeitig eine Huldigung für Hassan Moustafa sein. Der Ägypter ist seit fast 20 Jahren Präsident der IHF und die WM in seiner Heimat ist eine Art Geschenk an sich selbst.

Die Bedeutung der WM für die IHF geht aber über die Befindlichkeiten des Präsidenten hinaus. Wie viele Sportverbände hat auch die IHF unter den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu kämpfen und die WM der Männer ist die Veranstaltung, mit der der Verband Geld verdient. Bei einer Absage stünde das Weiterbestehen der IHF auf dem Spiel.

Die WM ist aber nicht nur für den Weltverband von großer wirtschaftlicher Relevanz. Auch die teilnehmenden Nationen sind auf die Einnahmen angewiesen. „Die großen Turniere sind eine wichtige Möglichkeit, um unsere Sponsoren zu repräsentieren“, sagt Bob Hanning. Für den Vizepräsidenten des Deutschen Handballbundes (DHB), parallel auch Manager der Berliner Füchse, ist das Turnier von großer Bedeutung, nicht nur wegen der Finanzen.

Die WM als Schaufenster

„Eine WM ist das größte Schaufenster, das unser Sport haben kann“, sagt Hanning. Aus seiner Sicht hätte eine Absage des Turniers bittere Konsequenzen für den Sport in Deutschland, denn nur im Januar erreichen die Handballer mit einer Europa- oder Weltmeisterschaft ein Millionenpublikum.

Auch die deutsche Handball-Liga (HBL) befürwortet aus diesem Grund die Austragung des Turniers, obwohl die Liga in den kommenden Monaten vor großen Terminschwierigkeiten steht. Nach dem Abbruch der vergangenen Saison wurde die Bundesliga auf 20 Teams aufgestockt, zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 stehen Klubs und Spieler vor einem Spiele-Marathon.

„Wir sollten da unbedingt hinfahren“, sagt Frank Bohmann dennoch. Der HBL-Boss weiß um die Sogwirkung einer Weltmeisterschaft für die Liga. Hinzukommt, dass eine Absage jetzt kaum positive Effekte auf die Spiele-Hatz hätte. „Der Rahmenterminplan ist erstellt“, sagt Bohmann. Nur wenige Partien könnten verlegt werden, eine Entzerrung des Spielplans wäre nur in Ansätzen möglich.

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