: Haft für Zigarettenmafia
■ Mildes erstes Urteil für Berliner Bandenkrieg unter Vietnamesen
Berlin (dpa) – Im ersten Prozeß um den blutigen Bandenkrieg der vietnamesischen Zigarettenmafia in Berlin sind die beiden Angeklagten gestern zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden.
Gegen einen 24jährigen, der im Verfahren ein Teilgeständnis abgelegt hatte, verhängte das Landgericht wegen versuchten Totschlags, Beteiligung an einer Schlägerei und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sechs Jahre Haft. Der zweite Angeklagte wurde wegen Schlägerei und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Das Gericht blieb damit weit unter den Strafanträgen der Staatsanwaltschaft, die Haftstrafen zwischen sieben und zwölf Jahren beantragt hatte. Die Strafkammer sah die Beschuldigten als „Soldaten“ an, die im Kampf um den lukrativen illegalen Zigarettenmarkt Befehle ihres unbekannten „Chefs“ ausgeführt hätten. Beide sollten nach Auffassung des Gerichts die Vorherrschaft ihrer Bande an einem Verkaufsplatz in der Nähe des S-Bahnhofs Treptower Park mit Waffengewalt sichern.
Dort war es am 20. Dezember 1995 zu einer Schießerei unter Vietnamesen gekommen, bei der ein Beteiligter angeschossen und von der gegnerischen Bande durch Kopfschuß getötet worden war, nachdem er bereits am Boden lag. In der vergangenen Woche war ein Mitglied der rivalisierenden Bande verhaftet worden. Ursprünglich war beiden Angeklagten versuchter Totschlag zur Last gelegt worden. Dem 23jährigen billigte das Gericht überraschend zu, in Notwehr gehandelt zu haben. Er war nach Angaben der Vorsitzenden Richterin zunächst geflohen und hatte erst das Feuer erwidert, als er von der gegnerischen Bande angeschossen worden war.
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