piwik no script img

Häuser in der HabersaathstraßeRadiatoren statt Fernwärme?

In der Habersaathstraße könnte der Eigentümer nach dem Trinkwasser bald auch die Heizung abdrehen. Noch will das Bezirksamt Mitte nicht einschreiten.

Abreißen will der Eigentümer trotzdem – und zwar so schnell wie möglich Foto: IMAGO / Bernd Friedel
Clara Dünkler

Aus Berlin

Clara Dünkler

Seit über 48 Stunden haben die Be­woh­ne­r:in­nen der Habersaathstraße 42–48 kein Trinkwasser mehr. Es wurde am Montag abgestellt, vermutlich im Auftrag des Hausbesitzers. „Ich weiß jetzt, wo man diese großen Wasserkanister kaufen kann“, sagt Daniel Diekmann der taz, Mieter in der Habersaathstraße. Er habe sich auf diese Situation nicht vorbereiten können und keine Reserven angelegt. Die Tatsache, dass das Bezirksamt immer noch nichts an der verheerenden Situation der Be­woh­ne­r:in­nen geändert habe, zeige, wie dysfunktional die Abläufe seien, so Diekmann. Wie lange er noch Wasser schleppen muss, ist weiterhin unklar.

Immerhin die bezirkliche Bauaufsicht war mittlerweile da: Zwei Be­am­t:in­nen des Bezirksamt Mitte verteilten am Dienstagmorgen Aushänge in den Hausaufgängen. Darauf steht, dass sich Be­woh­ne­r:in­nen per E-Mail an die Bauaufsicht wenden sollen, wenn die Wasser-, Wärme- oder Stromversorgung unterbrochen sein sollte.

Den Hahn zuzudrehen ist der neuste Versuch des Hauseigentümers, auch die letzten Mie­te­r:in­nen aus den Häusern in der Habersaathstraße zu bekommen. Der Gebäudekomplex ist als Spekulationsobjekt seit Jahren umkämpft. Bereits 2021 besetzen Ak­ti­vis­t:in­nen gemeinsam mit damals obdachlosen Menschen 30 leerstehende Wohnungen. Der Eigentümer Andreas Pichotta, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft Arcadia Estates, will die Häuser abreißen und stattdessen Luxuswohnungen bauen. Bisher scheiterten diese Pläne, da neben den Be­woh­ne­r:in­nen ohne Mietverträge weiterhin fünf Langzeitmietparteien in den Häusern leben.

Die aktuellen Ereignisse sind nicht die ersten Entmietungsversuche des Eigentümers. In der vergangenen Woche erreichten sie jedoch ein neues Level: Es wurde bekannt, dass zum ersten November die Wärmeversorgung eingestellt werden soll. Am vergangenen Wochenende gab es dann einen illegalen Räumungsversuch durch eine wohl vom Eigentümer beauftragte Sicherheitsfirma. Gegen mehrere von deren Mitarbeitern wird jetzt wegen Nötigung und Sachbeschädigung polizeilich ermittelt.

„Ersatzvornahme“ wäre möglich

Auf taz-Anfrage teilte der Bezirk Mitte mit, der Eigentümer habe beschlossen, die Be­woh­ne­r:in­nen mit Mietverträgen nach dem 1. November mit Radiatoren statt Fernwärme zu versorgen. Im Raum stand die Möglichkeit einer „Ersatzvornahme“, falls der Besitzer die Miet-Missstände nicht zeitnah behebt. In einem solchen Fall würde das Bezirksamt dafür sorgen, dass die Versorgung der Be­woh­ne­r:in­nen wieder sichergestellt ist.

Aus Sicht des Bezirks ist aber zumindest in Bezug auf die Fernwärme „bisher kein Mangel“ festzustellen. Insofern gebe es auch keine Grundlage für eine Ersatzvornahme. Bezüglich der Trinkwasserversorgung habe man Pichotta aufgefordert nachzuweisen, dass der Mangel behoben wurde.

Bisher ist das nach taz-Informationen jedoch nicht der Fall. Daniel Diekmann fragt sich, wie das eigentlich sein kann. Dass der Bezirk die Ersatzvornahme einleite, könne doch nicht so kompliziert sein. Stattdessen gebe es dieses „Behörden-Ping-Pong“, sagt er der taz.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare