Hackerangriff auf Berliner Verwaltung: Perso-Kopie von Ute Bonde im Darknet aufgetaucht
Nach dem Hackerangriff auf Berlins Verwaltung stehen hochsensible Daten im Netz. Der Senat erklärt die Notfalllage für beendet, doch die Aufarbeitung läuft schleppend.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Tausende Personen sind wohl vom Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung im August betroffen. Nun ist klar: Dazu zählt auch Berlins noch amtierende Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Laut Recherchen des RBB sind Kopien von Bondes Personalausweis und ihrer digitalen Unterschrift im Darknet aufgetaucht.
Demnach sind auch E-Mails ihrer Vorgängerinnen Manja Schreiner (CDU) und Bettina Jarasch (Grüne) veröffentlicht worden. Und jenseits der Leitungsebene sollen weitere Ausweiskopien und personenbezogene Unterlagen von Beschäftigten der betroffenen Verwaltungen kursieren.
Anfang August waren Hacker der Gruppierung „Rhysida“ in die Netze der Senatsverwaltungen für Verkehr und Stadtentwicklung eingedrungen und hatten etwa 1,4 Millionen Dateien heruntergeladen. Die Angreifer versuchten anschließend, die Landesregierung mit dem Datensatz zu erpressen.
Bettina Jarasch, Grüne
Nachdem die sich geweigert hatte, das geforderte Lösegeld von 30 Bitcoins – rund zwei Millionen Euro – zu bezahlen, wurde das Paket im Darknet veröffentlicht. Neben personenbezogenen Daten, die Cyberkriminelle für Identitätsdiebstahl und weitere Erpressungsversuche nutzen können, enthält das Paket auch Informationen über kritische Infrastruktur, etwa Notfallpläne.
Monatelange Verzögerungen
Bis heute läuft die Aufarbeitung schleppend. Zwar hat der Senat eine Anlaufstelle für Betroffene eingerichtet. Die kommt aber anscheinend nicht hinterher.
Etwa berichtet Ex-Verkehrssenatorin Jarasch im RBB, sie sei nur informell darüber informiert worden, dass sie betroffen sei – und auch nicht über den Umfang. Auf eine offizielle Auskunftsanfrage hin sei ihr mitgeteilt worden, dass sich die Bearbeitung wegen der hohen Zahl von Anfragen um Monate verzögere. Diese Informationspolitik sei „desaströs“, kritisiert Jarasch.
Von der Anlaufstelle heißt es derweil, Betroffene würden „unverzüglich und risikobasiert“ benachrichtigt, „sobald die durch die Untersuchung der abgeflossenen Daten gewonnenen Erkenntnisse das zulassen“.
US-Firma liefert „Alarmanlage“
Unterdessen hat Berlins Digital-Staatssekretär Florian Hauer vergangene Woche das Ende der seit August geltenden Notfalllage ausgerufen. Es könne „davon ausgegangen werden, dass die akute Gefahr infolge des Cyberangriffes bewältigt ist“, schrieb Hauer an Verwaltung und Bezirke. Gleichwohl sei die Bedrohungslage weiterhin angespannt, warnte er.
Deshalb wurde inzwischen ein externer Cybersicherheitsservice eingekauft, um mögliche Angriffe auf das Berliner Landesnetz aufzuspüren. Hauer spricht von einer „Alarmanlage“. Beauftragt wurde laut Tagesspiegel das US-Unternehmen Crowdstrike, das bereits nach dem Hackerangriff das Landesnetz mit einer umstrittenen Software forensisch untersucht hat.
Fatale Kürzungen
Allerdings ist das nur eine Übergangslösung, bis das Land den „Einbruchsschutz“ erhöht, wie Hauer sagt. Dafür fehlt seit Jahren das Geld. Im Zuge der Sparmaßnahmen kürzte Berlins schwarz-rote Landesregierung Ende 2024 das Budget für das IT-Dienstleistungszentrum von 32 Millionen auf 18 Millionen Euro.
Außerdem wurden damals 2 Millionen Euro bei der Eindringungserkennung gestrichen – mit fatalen Folgen. Denn 2026 sollte zwar ein System zur Erkennung von Cyberangriffen eingeführt werden – die Lizenzen reichten jedoch bloß für 5 Prozent aller Geräte in der Senatsbauverwaltung, wie der RBB berichtet. Der Hackerangriff im August erfolgte dann über Geräte und Systeme, die nicht von der Angriffserkennung erfasst waren.
Beim Thema IT-Sicherheit kommt auf die künftige Landesregierung deshalb wohl eine Menge Arbeit zu. Im Sondierungspapier schreiben Linke, Grüne und SPD, eine Notlagenerklärung für die IT-Infrastruktur prüfen zu wollen, um notwendige Investitionen finanzieren zu können. Darüber hinaus soll mit einem Sofortprogramm die „verpflichtende Angriffserkennung für alle Dienststellen“ eingeführt werden.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert