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Grüne sehen Filz bei pro bono

ANTRAG Der Senat soll zuvor ehrenamtlich tätigen Firmen keine Aufträge mehr direkt geben dürfen

Die Grünen-Fraktion will Pro-Bono-Arbeit, also ehrenamtliches Engagement von Unternehmen, als Mittel der Auftragsakquise verhindern. Gemäß einem so überschriebenen Antrag, den sie ins Parlament eingebracht hat, soll der Senat künftig Aufträge über 25.000 Euro nicht mehr direkt – im Beamtendeutsch: freihändig – an Unternehmen vergeben dürfen, die in den vorangehenden sechs Monaten in diesem Feld pro bono für das Land tätig waren.

Hintergrund ist, dass die Beratungsfirma McKinsey im Herbst das Flüchtlingsmanagement des Senats unterstützte, ohne das in Rechnung zu stellen. Im Januar erhielt McKinsey dann ohne Ausschreibung einen bezahlten Auftrag, beim Masterplan Integration mitzuarbeiten. Das soll derart freihändig nicht mehr möglich sein. „Es ist schwer nachzuweisen, wenn sich jemand mit einer Pro-bono-Tätigkeit einen lukrativen Folgeauftrag angelt“, sagt der rechtspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Dirk Behrend, „wir Grüne wollen klare Regeln, um fragwürdige Auftragsvergaben künftig auszuschließen.“

Die vormals unbezahlt tätigen Unternehmen von direkter Vergabe auszuschließen soll auch die Chancen von Mitbewerbern sichern. Die sehen die Grünen gefährdet, „wenn durch die zuvor ,pro-bono‘ erbrachte Tätigkeit ein Wissensvorsprung entstanden ist.“ Stefan Alberti

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