: Großstadt-Cowboys weichen Rechenzentrum
Die Eigentümerin des Grundstücks der Westernstadt „Old Texas“ verlängert den Pachtvertrag nicht
Proteste und Petitionen waren vergeblich, die Westernstadt in Berlin-Spandau steht vor dem Aus. „Der Pachtvertrag endet nach wie vor Ende dieses Monats. Old Texas hat sich vertraglich verpflichtet, das Grundstück geräumt zurückzugeben“, erklärte Jochen Ehlers von der Eigentümerfirma Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz und Vermarktungs GmbH. Sämtliche Vorschläge zur befristeten Fortführung des Pachtvertrages seien von allen Beteiligten abgelehnt worden. Die Firma sehe sich daher gezwungen, den Pachtvertrag mit dem Verein zu kündigen.
Ein Umzug der Westernstadt an einen anderen Standort ist laut dem Vorsitzenden des Trägervereins „Cowboy Club Old Texas“ nicht möglich. „Eine Alternative gibt es für uns nicht“, sagte Ralf Keber. Dem Verein fehlten dafür die Mittel.
Die Westernstadt im Stadtteil Haselhorst mit etwa zwei Dutzend Gebäuden besteht seit laut Keber seit 57 Jahren. Zur „Old Texas Town“ gehören Saloon, Bank, Gefängnis und Kirche. Auch eine Stellmacher- und eine Sattlerwerkstatt können besichtigt werden. In einer Schmiede werden Pferde beschlagen und Wagenräder erhielten einen Eisenring. Auch eine historische Apotheke befindet sich auf dem Gelände.
In den Sommermonaten besuchen laut Keber durchschnittlich rund 500 Tagesgäste die Westernstadt. Insgesamt kommen jährlich etwa 10.000 Besucher – darunter auch Gäste von privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenfeiern und Geburtstagen. Die Eigentümerin besitzt das Grundstück seit 16 Jahren und hatte es dem Verein für 15 Jahre zu einem symbolischen Pachtzins von 1 Euro jährlich überlassen. Im vergangenen Jahr wurde der Pachtvertrag um ein Jahr verlängert.
Seit Monaten setzt sich der Verein gegen die Schließung ein. Eine im Juni gestartete Onlinepetition „Rettet die Westernstadt“ hat mehr als 10.000 Unterstützer. Auch der Bezirk ist für den Erhalt der „Old Texas Town“. Im Juli demonstrierte der Verein auf dem Pariser Platz für den Fortbestand der Westernstadt.
Die Eigentümerin weist darauf hin, dass sich das gesamte Gebiet in der Umgebung in der Zwischenzeit entwickelt habe und sie es für sinnvoll halte, das Grundstück daran anzupassen. Das Unternehmen würde es gerne für den Bau eines Rechenzentrums nutzen. (dpa)
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