Größte Turnerin aller Zeiten: Wie Simone Biles zur Ziege wurde

Ausnahmeathletin Simone Biles hat von Twitter ein eigenes Emoji bekommen. Nun turnt sie als Tier von der Gattung der Hornträgerinnen durch das Netz.

Simone Biles hoch über der Matte beim Training in Tokio

Beste Noten: Simone Biles hoch über der Matte beim Training in Tokio Foto: ap

BERLIN taz | Was für eine Ehre! Simone Biles, der 1,42 Meter kleinen Turnerin aus den USA, ist von der Social-Media-Plattform Twitter ein eigenes Emoji zugewiesen worden. Gibt man beim Verfassen eines Tweets die Hashtags #simonebiles oder #simone ein, wird das Emoji angezeigt. Sie ist als Ziege dargestellt, die im glitzernden Turnanzug einen Spagat macht. Eine Ziege? Und dazu schreibt Twitter im höchstmöglichen Pathos: „Werde Zeuge von Größe! Twittere mit Größe!“

Was sich Twitter da für den Superstar der Spiele 2016 in Rio ausgedacht hat, funktio­niert hierzulande nicht so recht. In den USA ist Goat das Wort für Ziege. Wenn der Begriff im Sportzusammenhang fällt, dann wissen alle, dass es da eine ganz spezielle Bedeutung hat. Goat steht für Greatest Of All Time, den oder die Größte aller Zeiten. Jede Sportart hat ihre Goat-Debatten. Im Basketball streiten sich die Fans, ob der noch aktive LeBron James sich schon Ziege nennen darf oder ob die Ehrenbezeichnung nicht doch eher Michael Jordan zusteht.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Auch im Turnen drängt sich eine Goat-Debatte auf. Ist Biles die beste aller Zeiten oder die Rumänin Nadia Comaneci, die 1976 bei den Spielen von Montreal mit traumhaften Vorstellungen zu Traumnoten geturnt ist? Fünf olympische Goldmedaillen hat Comaneci gewonnen. Biles hat in Rio viermal Gold gewonnen und einmal Bronze. Aber nicht nur Twitter, die ganze Sportwelt rechnet fest damit, dass in Tokio etliche goldene Plaketten dazukommen.

Die 24-Jährige ist ihren Konkurrentinnen entrückt. Bei der WM 2019 in Stuttgart hat sie fünf von sechs möglichen Titeln gewonnen. Es spricht viel dafür, dass Biles auch diesen Spielen ihren Stempel aufdrücken wird. In der Sportwelt hat die kleine Frau nicht nur wegen ihrer Leistungen schon jetzt einen gewaltigen Fußabdruck hinterlassen.

Sie gehört zu den Turnerinnen, die von ihrem ehemaligen Teamarzt sexuell belästigt worden sind. Biles hat das 2018 publik gemacht und auch den Turnverband der USA massiv beschuldigt, seine Sportlerinnen einem unterdückerischen System unterworfen zu haben. Der Titel Goat ist auch deshalb eine verdiente Ehre für sie, selbst wenn sie in Tokio erst noch an die Geräte muss.

In Deutschland kann man ja so lange an einer positiven Umdeutung des Begriffs Ziege arbeiten. Wie wäre es mit: Zierde, Größe, Ewigkeit. Genug Pathos für Twitter hätte das in jedem Fall.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de