Glossar zu Covid-19: Das große Corona-ABC

Der durch ein Virus in Verruf geratene Name „Corona“ existiert schon lange und hat viele Bedeutungen: ein Rehabilitations-Glossar.

Eine Figur mit einer Eiskugel, die wie ein Virus aussieht, steht vor einem Zirkuszelt

Corona ist überall – und das nicht erst seit der Pandemie Illustration: Juliane Pieper

A wie ANFANG

– und der ist Lateinisch. Corona bedeutet: Krone, Kranz oder auch Menschenansammlung. Plural ist coronae: die Kronen, Kränze. Coronarius bedeutet kranzförmig. Coronare heißt krönen und wird regelmäßig konjugiert: corono, coronas, coronat, coronamus, coronatis, coronant. Prächtige Vokabeln leiten sich ab: Corona montium ist die Gebirgskette, corona capitis die Tonsur, honoris corona der Ehrenkranz, ein in vielen Kulturen als Auszeichnung genutztes Symbol für Macht, Stärke, Verdienste. Coronam nectere alci heißt: jemanden verherrlichen oder preisen. Das Virus mit seiner kronenbekränzten Optik ist allerdings wenig nectiert. Das Erbe des lateinischen Ursprungs finden wir heute auch in anderen Sprachen (siehe Italienisch, Spanisch, Englisch).

A wie AUSGUSS oder ASYL

siehe B wie BIER

B wie BIER

Spezialität der Cervecería Modelo aus Mexiko. Mit Aufkommen der Pandemie sackte in den USA der Absatz der meistimportierten Biermarke angeblich ab – wegen gemutmaßter Ansteckungsgefahr. In Postings wurde sogar behauptet, manche hätten Corona-Bier aus Angst vor Ansteckung panisch in den Ausguss geschüttet. Die verabscheuungswürdigen Coronapartys helfen dagegen dem Absatz. Andere trinken das helle Lager ironisch oder abergläubisch als Immunisator.

Corona-Bier ist mehr als ein profanes Gerstengetränk. Es beinhaltet auch Reis, Mais und Ascorbinsäure, man trinkt es mit einem Limettenritual als eine Art Biercocktail. Absatz in Deutschland: 45.000 Hektoliter pro Jahr. In Spanien heißt das Bier Coronita, kleine Krone.

Längst gehört die Marke dem weltgrößten Bierkonzern Inbev aus dem belgischen Löwen. Mit Folgen: Fast ein Jahrhundert lang (seit 1925) wurde Corona-Bier nur in Mexiko hergestellt, bis April 2020. Da entschieden die mexikanischen Behörden, dass Brauen zu den „nicht-essenziellen Lebensbereichen“ gehört. Anders im Bierparadies Belgien, das sofort Asyl gewährte. Seitdem kommt Original-Corona-Bier aus Sudkesseln in Jupille bei Lüttich.

B wie BÜCHER

Corona dient auch der Lesekultur: Der Mondschein Corona Verlag in Hamburg avisiert seine nächsten Romane und Kurzgeschichten: „Im Schatten der Angst“ zum Beispiel oder „Aufbruch ins Ungewisse“. Der Verlag In Farbe und Bunt in Osdorf macht mit Science-Fiction-Geschichten sein Online-Corona Magazine.

C wie CELAN

Paul Celan, Schöpfer der weltberühmten „Todesfuge“, schrieb auch ein Gedicht mit Namen „Corona“. Auszug: „Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehen...“

Corona, lateinisch für Kranz oder Krone Foto: Juliane Pieper

C wie CIRCUS

Der Circus Corona ist ein kleiner Familienzirkus, 2019 gegründet. „Der Name war ein dummer, doofer Zufall“, sagt die Direktorin. Als ihr Sohn klein war, habe er den berühmten Circus Krone so toll gefunden. Nur konnte er Krone nicht aussprechen, sondern sagte „Corona“. „Deshalb heißt der Zirkus so.“ Tragisch: Mitte März wollte man („Das wäre unsere Weltpremiere gewesen“) mit dem allerersten Auftritt in Oberhaid bei Bamberg starten. Dann kam der Lockdown. Seitdem steht das Zelt auf der Oberhaider Festwiese und der kleine Zirkus vor dem Ruin. Spendenaufrufe im Ort brachten der Zirkusfamilie ein wenig Unterstützung. „Sie dürfen nicht mal weiterziehen, aber wohin auch?“, sagt Frau Stark von der Gemeinde.

Ebenfalls im Zirkusmilieu angesiedelt ist der Defa-Spielfilm „1-2-3 Corona“ aus dem Jahr 1948, er dreht sich um eine junge Berliner Artistin namens Corona.

C wie COROLLA

Bekanntes Modell des Autoherstellers Toyota. Weniger bekannt: das Vorvorvorgängermodell Corona, eine recht kantige Mittelklasselimousine mit weltweiter Verbreitung in den Baujahren 1957-1996.

Markenmodelle mit Namen Corona gibt es auch bei vielen anderen Produkten, etwa Petroleumöfen, Wohnmobilen („auf der Basis von Mercedes Benz Sprinter“), Türen („mit Linienfräsungen veredelt“) oder der Schriftart „Corona Fonts“. Der Möbeldiscounter Poco versucht die „Funktionsecke Corona mit elektronischer Sitztiefenverstellung“ zu verkaufen (nur 1.099 Euro) und Peugeot sein Trekkingrad Corona.

D wie DENTALLABORE

siehe Z wie ZÄHNE

D wie DORF

St. Corona ist eine Gemeinde in Österreich mitsamt Skigebiet. Indes: St. Corona ist kein neuer Spottname für ­Ischgl in Tirol, sondern liegt in Niederösterreich. Sehenswürdigkeit des 390-Seelen-Orts: „Ortskapelle Maria Heil der Kranken“. Corona ist zudem ein Kiez in Queens, New York und eine Stadt in Kalifornien. Dort werden die Fender-Gitarren hergestellt.

E wie ENGLISCH

siehe S wie SPANISCH, L wie LINDENSTRASSE

F wie FLIESEN

Marca Corona Ceramica ist ein italienischer Traditionshersteller (seit 1741) von Edelfliesen. Zur ambitionierten Modellpalette gehören die Fliesen „Terra“ mit „Sanftheit der staubigen Farbtöne“, „Maiolica“ hat „Trendy Dekoratione“, und „Storie d´Italia“ umfasst „Zementfliesen und Majoliken mit einer solaren Authentizität“.

F wie FRAGEZEICHEN

Im Hörspielkrimi „Die 3 Fragezeichen“ löst in der Folge „Die Höhle des Grauens“ die jugendliche Detektivin Corona den Fall. Siehe auch V wie VORNAMEN.

H wie HEILIGE

Im Jahr 177 wurde im vorderen Orient (womöglich Syrien) eine junge Christin, etwa 16 Jahre alt, von Eiferern bestialisch gefoltert und ermordet. Ihr Name: Corona. Als frühchristliche Märtyrerin wurde sie später heilig gesprochen. Fast tausend Jahre lagen ihre Gebeine in einem Bleisarg unter dem Aachener Dom, bis ein eifriger Probst sie 1910 ausbuddeln ließ. Alles war noch da – und so baute man zur Ehrerbietung einen goldbesetzten Schrein von einem Kubikmeter Größe und zwei Zentnern Gewicht. Den Schrein hat derzeit ein Restaurator unter sich und nennt ihn „vollendete Handwerkskunst, einfach wundervoll bis ins kleinste Detail“. Das Werk soll demnächst in der Domschatzkammer zu sehen sein.

Laut Ökumenischem Heiligenlexikon ist die Heilige Corona Schutzpatronin, ja: gegen Seuchen. Besondere Verehrung wird ihr in Österreich und im östlichen Bayern mit diversen Wallfahrten zuteil, in Oberbayern gibt es auch eine Kapelle St. Corona. Gedenktag: 14. Mai.

H wie HERZENSANGELEGENHEIT

Blutgefäße umkränzen unser Lebensorgan. Man spricht von Koronargefäßen. Funktioniert die Versorgung nicht mehr einwandfrei, drohen koronare Herzerkrankungen. In Essen ist die medizinische Corona-Stiftung (Forschungsschwerpunkt Durchblutungsstörungen) ansässig.

H wie HIMMEL

Sonne und Mond sind bisweilen von einer kreisrunden hellen Erscheinung umgeben, verursacht durch Beugung des Lichts. Seltsam, mysteriös, unheimlich: Und so nannte man dieses Himmelsphänomen bald ehrfürchtig Korona, den Strahlenkranz. Der Kranz als Signum der Macht. Beeindruckend ist vor allem die solare Korona bei totaler Sonnenfinsternis (hierzulande zuletzt am 11.8.1999).

Ebenfalls in fernen Himmelswelten sind kronenförmige Sternbilder zu sehen: im Süden Corona australis und auf anderer Seite die Nördliche Krone Corona borealis. Beide gehören zu den 48 Sternbildern der antiken Astronomie, die schon Ptolemäus erwähnte. In der griechischen Mythologie galt die Nördliche Krone sogar als die mit Edelsteinen besetzte Krone der Ariadne, Tochter des Königs Minos von Kreta.

I wie ITALIENISCH

Der Ausgangsbegriff auf Italienisch bedeutet wie im Lateinischen Kranz oder Krone, aber auch Herrschaft. Dazu kommen etwa diese Ableitungen: Disporsi a corona heißt sich im Kreis aufstellen, corona del rosario ist der Rosenkranz und corona dei santi der Heiligenschein.

K wie KREUZWORTRÄTSEL

Die Seite kreuzwortraetsel.de gibt als einzige Lösung für eine Frage nach Corona das Wort Zigarrenform an (siehe auch Z wie ZUGABE).

L wie LINDENSTRASSE

„Coronation Street“ ist die berühmteste TV-Soap Britanniens, wahrscheinlich sogar der Welt, und war Vorbild der ARD-„Lindenstraße“. Die preisgekrönte „Krönungsstraße“ läuft seit 1960 mit mittlerweile über zehntausend Folgen.

Der Absatz der meistimportierten Biermarke sank angeblich – wegen der Pandemie Foto: Juliane Pieper

M wie MONTREAL

siehe V wie VORNAME

N wie NAMENSGEBUNG

Im Zeitalter der Unschuld (vor 2020) war Corona auch als Firmenname sehr beliebt. So heißt ein Kinokomplex in Kaufbeuren, ein Fotostudio in Ravensburg oder ein Hersteller für Sonnenschutzsysteme. Branchenübergreifend gibt es (Liste nicht vollständig): ein Büro für Bürotechnik in Berlin, ein Kasino in Zeitz, in München einen Reitverein, dazu Gebäudedienst, Baustoffhandel, Blumengeschäft, Hotel und Pension, Tattoostudio und Vinothek, selbst eine Kita und sogar verschiedene Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste mit Namen Corona. Botschaft immer: Wir sind etwas Besonderes, Edles. Kurz: Wir sind die Krönung (siehe auch P wie PIZZA).

P wie PIZZA

Weltweit gibt es unzählige Restaurants und vor allem Pizzerien mit Namen Corona, auch in Deutschland mehr als ein Dutzend. Die Inhaber wurden nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie gern von ihren Lokalzeitungen porträtiert. Tenor immer: Tja, kein guter Name in diesen Zeiten. Aber wer ahnte das schon? Nicola Stampone in Freiburg sagt, er werde den Namen seines Lokals niemals ändern. Ankush Mall Chand, Betreiber der Bremer Pizzeria Corona, klagt: „Ich kriege ständig mit, dass Personen unsere Fassade abfotografieren.“ In Dortmund sagt Shemsije Beqiri, Inhaberin der Trattoria Corona, mit stolzem Trotz: „Das Virus wird gehen, wir werden bleiben.“ Indes hatten zuletzt Restaurants mit und ohne Corona-Namenslast gleichermaßen geschlossen.

P wie PROMINENZ

Corona Schröter (1751–1801) war eine deutsche Komponistin, Schauspielerin und Sängerin, die zur Hofvokalistin in Weimar aufstieg. Dort war sie zeitweise künstlerisch eng liiert mit ihrem Gönner Goethe, als Muse, als Kollegin auf der Bühne (sie als Iphigenie), vielleicht auch als Geliebte. Schröter starb in Ilmenau an der Lungenkrankheit Tuberkulose, wo heute, wie in Weimar, eine Straße ihr Gedenken hochhält. In Guben, ihrer Geburtsstadt, heißt eine Grundschule nach ihr.

S wie SCHREIBMASCHINE

Smith-Corona (gegründet 1886) war ein großer Schreibmaschinenhersteller aus Syracuse, New York. Die Maschine machte auch in der Rockmusik Karriere: In der Ballade „Carmelita“ besang Warren Zevon, wie er für seine Heroinsucht sogar seine Smith-Corona verpfändete. Später parodierte Steve Kalafut den Hit „My Sharona“ von The Knack in „Type type type, I type, woo... S-S-S-Smith-Corona, S-S-S-Smith-Corona …“.

Bekanntestes Modell: Smith-Corona Super Silent. Saul Bellow, Truman Capote und Arthur Miller nutzten eine Smith-Corona, auch Ernest Hemingway eine kleine Reiseschreibmaschine der Firma („type 3“) bei seinen Einsätzen als Kriegsberichterstatter in Europa. Natalie Wood warb für die Smith-Corona, Tom Hanks sammelt sie heute. Die Firma selbst stellt seit vielen Jahren nur noch Thermopapier her.

Unzählige Restaurants und Pizzerien tragen den Namen Corona Foto: Juliane Pieper

S wie SCHURKE

In „Asterix in Italien“ von 2017 heißt der Bösewicht mit der Tarnmaske Coronavirus – jedenfalls in der französischen und englischen Ausgabe. Auf Deutsch hört er auf Caligarius – dem Übersetzer gefiel angeblich der Originalname nicht. Obelix sagt in allen Sprachen über den Schurken: „Der fährt keinen Kuschelkurs.“

S wie SPANISCH

Wie auf I wie Italienisch heißt Corona auch auf Spanisch Krone und Kranz. Das Königshaus ist la corona de España, der Lorbeerkranz heißt corona del laurel und Krönung la coronación. Um einer Sache die Krone aufzusetzen (para coronarlo) bedeutet coronar krönen im Sinne von vollenden, etwa: „Este gol del Lionel Messi corona su obra“ – dieses Tor von Lionel Messi stellt den Höhepunkt seines Schaffens dar. Coronar la fiesta: den Vogel abschießen.

Auch im Englischen ist corona eine übliche Vokabel – aber nicht für die Königskrone, das ist natürlich crown. Allerdings: Die Krönung wiederum heißt coronation. Queen Elisabeth II. wurde 1952, also noch vor „Coronation Street“, mit coronation ceremonies ins Amt eingeführt.

S wie STATISTISCHES JAHRBUCH

In der letztverfügbaren Ausgabe 2019 kommt das Wort nicht vor. Mutmaßlich für lange Zeit das letzte Mal.

V wie VORNAME

Corona ist (siehe auch P wie PROMINENZ) ein weiblicher Vorname, durchaus gebräuchlich in Italien – Schwerpunkt ist dabei laut der weltgrößten Namensdatenbank geneanet.org Venetien und da besonders die Gegend rund um den malerischen Ort Bassano del Grappa. Im 20. Jahrhundert gab es den Namen gut 1.200-mal in Nordamerika (USA und Kanada), 800-mal davon allein rund um Montreal, wo es auch ein Corona Theatre gibt. Montreal ist also ein Corona-Hotspot, aber auch die dortige Stadtverwaltung weiß das auf taz-Anfrage nicht zu erklären. Vermutung: eine ansteckende Modeerscheinung.

Seit dem Jahr 2000 nannten acht niederländische Eltern ihre Meisjes Corona. Für Deutschland gibt die Seite beliebte-vornamen.de seit 2006 die Zahl mit 30 an. Eine schrieb: „Ich kenne ein Zwillingspaar namens Corona und Aurora. Wunderschöne Namen, wie ich finde.“ Das war allerdings 2018. Der Vorname Covid (ähnlich David oder Arvid) ist dagegen ohne Nachweis. In Gotha arbeitet Dr. med. Corona Jakob als Kinderärztin. Coronas Namenstag ist der 20. Februar. Der deutsche Kosename könnte Krönchen sein, oder Kranzilein.

Auch als Nachname ist Corona durchaus verbreitet – in Venetien sogar „fast so häufig wie in Deutschland Müller oder Schmitz“. Das sagt Sebastiano Corona, der in Aachen die Gelateria Corona betreibt, seit der Pandemie aber seine mächtige Coppa Corona (9 Euro) von der Karte gestrichen hat. Und in Vlotho bei Bielefeld, erzählt er, habe sein Namensvetter Sebastiano Corona auch mal eine Eisdiele gehabt. Außer den Eismännern wohnen in Deutschland auch eine Erika Corona in München, in Köln ein Peter Corona, in Berlin Anna Luisa Corona und viele Dutzend Coronae mehr. Laut myheritage.com gibt es weltweit 1.686.113 Menschen mit Nachnamen Corona, Schwerpunkt USA vor Mexiko und eben Italien. Und in New York lebte sogar eine Mrs. Corona Corona, geboren 1878, gestorben 1909.

W wie WOHNZIMMER

Corona kann man sich sogar blühend nach Hause holen: „Die Ananaspflanze Corona ist eine äußerst dekorative Zimmerpflanze, die in der Wohnung prächtig gedeiht und für großes Staunen sorgt!“ Bestellbar etwa bei baldur-garten.de (nur 18,95 Euro).

Z wie ZÄHNE

Dentallabore nennen sich in Deutschland Corona im Dutzend. Naheliegend, man fertigt ja auch Kronen.

Z wie ZUGABE

– und auf so viel wohlgefälliges Coronadasein ein eiskaltes Corona Light, dazu eine Partagas Anejados Corona Gorda. Kenner wissen: „Nach dem Anzünden dominieren Kuba-Aromen, Holz, Erde, Leder (...), sie hat optimalen Zugwiderstand (...), das Rauchvolumen ist angenehm cremig.“

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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