Glaubensgemeinschaft Jesiden

Monotheisten und Engelsverehrer

Die Jesiden glauben an einen Gott und verehren sieben Engel. Von Anhängern anderer Religionen werden sie oft als „Teufelsanbeter“ diffamiert.

Jesidischer Tempel im Sindschar-Gebirge. Bild: Wikimedia / Danpanic77 / Gnu Free Documentation

BERLIN taz | Die kurdischen Jesiden sind Anhänger einer monotheistischen Glaubensgemeinschaft, die bis in altorientalische Zeiten zurückreicht. Sie enthält Elemente anderer Religionen wie der Zoroastrier, Juden, Christen und Muslime.

Jesiden sprechen mit Außenstehenden nicht gern über ihre Religion. Man wird in den Glauben hineingeboren und darf nicht konvertieren. Dies führt häufig zu Missverständnissen über die Lehre und zum Vorwurf, Jesiden seien „Teufelsanbeter“. Daher blickt die Gemeinschaft auf eine lange Geschichte der Verfolgung und des Exils zurück. Weltweit gibt es schätzungsweise 600.000 Jesiden. Ursprünglich lebten sie im Nordwesten des Irak und Syriens sowie in der Türkei.

Kleinere Gemeinschaften leben auch im Kaukasus. Auf der Flucht vor Verfolgung haben sich viele Jesiden in Europa niedergelassen, die meisten in Deutschland.

Traditionell glauben die Jesiden an einen Gott und verehren sieben Engel. Der wichtigste ist Malak Taus, der Pfauenengel. Dieser wird im Christentum und im Islam als „gefallener Engel“ oder Teufel angesehen, weil er sich nicht vor Adam verbeugen wollte. Den Jesiden zufolge bestand der Engel mit seinem Verhalten eine Prüfung seines Glaubens und seines Bekenntnisses zu Gott.

Die „Anbeter Gottes“

Auch der Name erregt Anstoß, beispielsweise bei den Anhängern der Gruppe, die sich Islamischer Staat (IS, ehemals Isis) nennt. Sie führen den Begriff „Jesiden“ auf den unbeliebten Kalifen Jesid Bin Muawija zurück. Neuere Forschungen gehen jedoch davon aus, dass sich der Name Jesiden von dem persischen Wort „ised“ ableitet, das Engel oder Gottheit bedeutet, wie etwa die britische BBC auf ihrer Website berichtet. „Isiden“ sind also „Anbeter Gottes“ – so, wie sich auch die Jesiden selbst beschreiben. Die jesidische Gesellschaft kennt Priester und Laien, Fastentage, Tieropfer, Beschneidung und eine jährliche Pilgerfahrt zu einem Grab nördlich von Mossul.

Jesiden ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. In diesem Zusammenhang gibt es einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auch Fälle sogenannter Ehrenmorde.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben