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Gewisse Parallelen zu Kafka

■ Heute abend im Schauspielhaus: Stanley Walden, Komponist der Kammeroper „Liebster Vater“ nach Kafka, stellt sich vor

Fast wirkt es so, als wolle das Bremer Theater vermeiden, in den Ruf zu kommen, sich bei den Produktionen des zeitgenössischen Musiktheaters ästhetisch festzulegen. Nach den unvergleichbaren Werken der letzten Spielzeit, Adriana Hölszkys „Bremer Freiheit“ mit ihren berstenden utopischen Klängen, Alfred Schnittkes „Leben mit einem Idioten“ mit seinen polystilistischen Wanderungen und Detlev Glanert mit seinen eruptiven Romantizismen ist der Komponist der nächsten Uraufführung wiederum ein ganz anderer. Der 64jährige Stanley Walden ist zu Hause in vielen Genres und bekannt und berühmt geworden vor allem durch seine Theatermusiken für George Tabori. Er schrieb Musicals und leitet in Berlin die Musicalausbildung. Er ist Professor für Musiktheorie, und ausgerechnet an ihn erging der Kompositionsauftrag für eine Kammeroper am Bremer Theater.

Für seine erste Oper „Liebster Vater“ hat Walden sich ein besonders schweres Sujet ausgesucht: Franz Kafkas berühmten, 1919 geschriebenen Brief an seinen Vater, der zu einer hundertseitigen Abrechnung geriet. Für Walden taten sich bei der Lektüre des Briefes frappierende Erkenntnisse über seine jüdische Herkunft auf: „Ich empfinde die Geschichten der Väter als Metapher für all das Suchen der Söhne nach Identität. Unsere Väter trugen denselben Vornamen, beide hatten vergleichbare familiäre Verhältnisse und die gleiche konfliktreiche Beziehung zum Judentum.“ Auch Walden mußte wie Kafka als Künstler unter der fehlenden Anerkennung des Vaters leiden. Der Begriff Oper trägt natürlich bei Stanley Walden nicht allein: Es handelt sich um eine Musiktheaterprojekt, das die Sparten Oper (der Vater), Tanz (die Mutter) und Schauspiel (Kafka) verbindet. In Bremen brisant schon deswegen, weil ein solcher interdisziplinärer Anspruch für die Urfassung der Strauss'schen „Ariadne auf Naxos“, die gleiches verlangt, nicht organisierbar war. usl

Heute abend – eine Woche vor der Uraufführung in der Concordia – um 20 Uhr stellt sich Stanley Walden im Schauspielhaus in einem Komponistenporträt vor; KünstlerInnen des Bremer Theaters präsentieren Waldens Musik .

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