: Getrennter Chemieunterricht tut Mädchen gut
■ PsychologInnen testeten AchtklässlerInnen an Gesamtschulen. Ergebnis: Mädchen sind wesentlich motivierter und selbstbewusster im Unterricht, wenn keine Jungen im Raum sind
Wenn Mädchen in der Pubertät Chemie- und Physikunterricht getrennt von Jungen erhalten, lernen sie besser, sind motivierter und wesentlich selbstbewusster. Das sind die ersten Ergebnisse einer Studie am Institut für Physik der Humboldt-Universität. Dort wurden ein Jahr lang an sieben Gesamtschulen in den 8. Klassen 750 SchülerInnen befragt. Die Hälfte der Jugendlichen wurde getrennt im Fach Chemie und Physik unterrichtet, die andere Hälfte wie gewohnt gemeinsam.
Der Anlass für die Studie: Das Interesse von Mädchen an naturwissenschaftlichem Unterricht ist wesentlich geringer als bei Jungen. Das zeigt sich auch an den Leistungkursen, die die Jugendlichen in der 12. Klasse wählen und die für die Abitur-Benotung entscheidend sind: Die naturwissenschaftlichen Kurse werden nur von maximal einem Fünftel junger Frauen besucht, hat Ursula Kessels, Psychologin und Mitarbeiterin der Studie, herausgefunden.
Die Wissenschaftler haben sich für ihre Studie bewusst für 13- bis 14-Jährige entschieden. Denn gerade in diesem Alter, so Kessels, wird die eigene Geschlechtszugehörigkeit stärker betont, wenn das andere Geschlecht anwesend ist. Mädchen fühlten und verhielten sich stärker dem weiblichen Klischee entsprechend, wenn Jungen im Raum sind. Und das hat auch Konsequenzen im Unterricht: Mädchen halten sich, so hat Kessels beobachtet, zum Beispiel bei der Beantwortung von Fragen zurück. Denn schlaue Antworten in „Jungensfächern“ gelten bei vielen Mädchen als unweiblich.
Die Jugendlichen wurden in beiden Gruppen dreimal während des Schuljahres mit Hilfe von Fragebögen interviewt, zum Beispiel zur technischen Vorerfahrung, wie sie die eigene Leistung im Unterricht beurteilen und für wie begabt sie sich selbst halten. Mädchen, die allein unterrichtet werden, treten selbstbewusster auf, melden sich öfter und beschäftigen sich auch außerhalb des Chemieunterrichts mit den Inhalten. Bei den Jungen seien keine Unterschiede zwischen Jungen- und gemischten Gruppen festgestellt worden.
Die Mädchen hatten ein äußerst positives Bild des getrennten Unterrichts. Sie fanden, so Kessels, den „Monokurs“ sehr gut, die „getrennten“ Jungen konnten dagegen keinen Unterschied feststellen.
Wie die getrennten Kurse sich auf die Noten ausgewirkt haben, ist noch nicht ausgewertet. Derzeit wird von den Psychologen untersucht, wie der Mono-Unterricht dauerhaft auf die Mädchen gewirkt hat und ob das erworbene Selbstbewusstsein anhält. Denn jetzt, in der 9. Klasse, werden sie wieder mit Jungen zusammen unterrichtet. Julia Naumann
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