Gescheiterte Super League: Hässlich, aber faszinierend

Das verlogene Spektakel um eine europäische Eliteliga hat einmal mehr gezeigt: Der Fußball ist die größte Show der Welt.

Fans von Chelsea feiern und zeigen den Mittelfinger

Die Fans von Chelsea freuen sich über das angekündigte Ende der europäischen Super League Foto: Kevin Coombs/reuters

Es liegen Tage hinter uns, wie sie der Fußball schon lange nicht mehr erlebt hat. Ganz Europa hat über den Sport gesprochen. Das Spiel ums große Geld bewegte die Herzen der Freundinnen und Freunde des Sports, ohne dass ein Pass gespielt oder gar ein Tor erzielt worden wäre. Zwölf Klubs hatten zu Wochenbeginn verkündet, sie hätten eine Super League gegründet. Die großen englischen, spanischen und italienischen Klubs wollten unabhängig von den alten Verbänden den großen Reibach machen. Der Aufschrei war groß. Zu groß für die meisten Klubs. Kleinlaut ruderten sie zurück, schneller als jeder Deutschlandachter, der je eine olympische Goldmedaille gewonnen hat.

Es war ein Spektakel mit überragenden Darstellern. Gianni Infantino, als Präsident des Internationalen Fußballverbands so etwas wie der größte Bösewicht der Szene, redete als Kritiker der Geldliga plötzlich daher, als würde ihn interessieren, was den gemeinen Fußballfan bewegt.

Aleksander Čeferin, der Chef der Uefa, gerierte sich als Retter des Sports und verkündete gleichzeitig eine Reform der Champions League, die auch nichts anderes ist als eine Geldmaschine für die etablierten Großklubs. Im Gegensatz zur Super League kann es aber sein, dass diese in der Vorrunde auch mal für ein Spiel in eine Stadt irgendwo in Osteuropa reisen müssen. So was finden Superklubs alles andere als super.

Auch der in Deutschland finanziell völlig abgehobene dauerdeutsche Meister FC Bayern München tat plötzlich so, als sei seine Ablehnung der Super League Ausdruck seines Einsatzes für die Seele des Fußballs. Die eigene Seele hat der Klub genauso wie Paris Saint-Germain aber längst nach Katar verkauft.

Größte Show der Welt

Ein Sender aus dem Sklavenhalteremirat besitzt die Übertragungsrechte für die Champions League der Uefa. Daher weht der Wind also. Und doch fand sich Katar mit der Ablehnung der Super League mit einem Mal auf der Seite der Guten. So etwas ist dem WM-Gastgeber von 2022 gewiss nicht passiert, seit er sich seinerzeit das Weltturnier besorgt hat. Verrückt!

Innerhalb weniger Tage hat der Fußball all seine Fratzen gezeigt. Es war ein hässliches Spektakel – aber faszinierend. Der Fußball ist die größte Show der Welt, auch wenn der Ball nicht rollt. Toll!

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de