Genderpolitik in Aufsichtsräten: Olaf Henkel fordert die Quote
Deutschland muss sich bei der Gleichstellung an Norwegen orientieren, sagt der frühere BDI-Chef Olaf Henkel und fordert eine Frauenquote auch in deutschen Aufsichtsräten.
BERLIN taz/apn | Die Initiativen für mehr Frauen in Aufsichtsräten haben einen prominenten Fürsprecher gefunden: Der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel erklärte zum Internationalen Frauentag, dass auch er eine Geschlechterquote in der Wirtschaft befürwortet.
Er halte es für ein "Armutszeugnis für die deutsche Wirtschaft", dass in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen die Frauen meistens von der Arbeitnehmerseite kämen, sagte Henkel im RBB. In den vergangenen Jahren habe sich da "verdammt wenig getan". Henkel verwies darauf, dass in Norwegen Frauen in Aufsichtsräten zu 40 Prozent vertreten sein müssten. Das müsse auch in Deutschland gelten. Wenn sich nichts ändere, "dann muss der Gesetzgeber nach meiner festen Überzeugung auch nachhelfen".
Diese Meinung teilt der Gesetzgeber im Moment allerdings nicht. Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) möchte nächste Woche lediglich einen "Stufenplan" vorstellen, der den Firmen nur vage Zielvorgaben machen soll.
Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist nach einer neuen Analyse des Wirtschaftsdienstes Hoppenstedt zwar leicht steigend, doch ist diese Tendenz vor allem in Großunternehmen sehr schwach - und war zwischenzeitlich sogar rückläufig. Bei Firmen mit einem Umsatz über 20 Millionen Euro stieg er seit 1995 gemächlich von 3,2 auf 5,9 Prozent im Jahr 2010; liegt der Umsatz über einer Milliarde Euro, finden sich nur 3,15 Prozent Frauen im Topmanagement.
Einer von vielen Gründen für die weitgehende Stagnation in der Wirtschaft: Immer mehr Frauen finden nur noch Teilzeitjobs, und die gelten als Karrierehemmnis. In den vergangenen 10 Jahren ist die Zahl der Frauen in Vollzeitjobs sogar noch gesunken, ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Seit 1999 ging die Zahl um 640.000 zurück. Zugleich nahmen die Teilzeitjobs um 1,13 Millionen zu, die der Minijobs seit 2003 um 930.000. Frauen seien "immer noch Arbeitskraft zweiter Klasse", schloss die Linkspartei daraus.(OES)
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