Geiselnahme in Iran: Zehn Jahre Haft für britisches Paar in Iran
Ein britische Ehepaar wurde auf einer Motorradreise durch den Iran festgenommen. Jetzt sind sie unter dem Vorwurf der Spionage verurteilt worden.
Die Briten Lindsay und Craig Foreman, die auf einer Motorradtour im Januar 2025 im Iran festgenommen waren, wurden dort nun zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Das erfuhren Familienangehörige am Donnerstag. Das Paar hatte den Iran auf ihrer Reise von Spanien nach Australien nur fünf Tage lang durchqueren wollen. Doch trotz gültiger Visa und voher genau abgeklärter Route wurden sie vom Regime festgenommen und der Spionage beschuldigt.
In einem Telefoninterview aus dem Gefängnis mit der BBC vor Bekanntgabe ihres Urteils, in dem Lindsay Foreman ankündigte, einen Protestbrief verfassen wollte, sagte sie, dass sie nichts mehr überrasche. Sie sei von Menschen umgeben, die in einer noch schlimmeren Lage seien. Und das schon ihr Leben lang.
„Ich bin glücklich über mein bisherigen Leben, und hoffe, eines Tages aus dieser Lage heraus zu kommen“, so die Britin. Sie mache zu ihrer physischen und mentalen Gesundheit Yoga und versuche auch, auf geringem Raum Runden im Gefängnis zu laufen. „Es ist unglaublich, schwer positiv zu bleiben. Ich lebe bewusst von Tag zu Tag“, sagte Lindsay Foreman.
Sie und ihr Ehemann hätten bisher alle Regeln respektiert und befolgt, weil sie erwartet hatten, dass sich ihre Unschuld herausstellen würde. „Wir haben sehr wenig, dass wir dagegen tun können, nur Briefe schreiben oder in Hungerstreik treten“, sagte sie und unterstrich, dass der Anlass ihrer Reise ihr Einsatz für Zusammengehörigkeit und das Gutes gewesen sei. „Hoffentlich können wir dafür sorgen, dass in Zukunft nicht noch weiteren Menschen so etwas zustößt“, sagte sie.
Ehepaar weist alle Anschuldigungen zurück
Joe Bennett, der Sohn von Lindsay Foreman und Stiefsohn von Craig Foreman, gab an, dass seine Eltern jegliche Anschuldigungen von sich wiesen. „Wir haben nie irgendwelche Beweise für das gesehen, was man ihnen vorwirft und sind zutiefst in Sorge um ihr Wohl und von dem Mangel an Transparenz in diesem Rechtsverfahren, so Bennett. Er hoffe, dass die britische Regierung alles tue, damit seine Eltern wieder freikommen. Die britische Außenministerin Yvette Cooper, sagte man werde diesen Fall unerbittlich verfolgen, bis die beiden sicher wieder bei ihrer Familie seien. Sie bezeichnete die Urteile als entsetzlich und völlig ungerechtfertigt.
Das Urteil folgte einer dreistündigen Anhörung am 27. Oktober letzten Jahres, bei der das Ehepaar kein Recht auf Verteidigung gehabt hatte. Der in Teheran für den Fall zuständige Richter Abolghasem Salavati steht aufgrund seiner Rechtssprechung, darunter auch Todesurteile, bereits seit 2011 unter internationalen Sanktionen in der EU und Großbritannien und seit 2019 auch in den USA.
Nach anfänglicher Haft in der Stadt Kerman ist das Ehepaar nach Angaben der Familie ins ins Evin-Gefängnis nach Teheran gebracht worden, wo Craig Foreman im Trakt für politische Gefangene sitzt und Lindsay Foreman im Frauenteil. Die Strafanstalt ist berüchtigt für schwere Folter und menschenunwürdige Zuständen, darunter Überfüllung und mangelnde Hygiene. Dringend benötigte Dinge müssen die Gefangenen zu Wucherpreisen im anstaltseigenen Laden kaufen. Teile des Evin-Gefängnisses wurde letzten Juni bei israelischen Luftangriffen beschossen.
Seit ihrer Haft waren die beiden teils in Einzelhaft, lange Zeiten ohne Kontakt zueinander und zur Außenwelt, hatten stark begrenzten und verzögerten Zugang zu Rechtsberatung und zu konsularischen Besuchen, sowie Schwierigkeiten, elementare Dinge zu erhalten. Die Ernährung soll oft mangelhaft gewesen sein. Craig Foreman hatte lange keinen Zugang zu Hygieneartikeln oder auch nur Wechselkleidung. Am 11. November letzten Jahr hatte das Ehepaar einen Hungerstreik begonnen, den sie erst abbrachen, als sie eine schriftliche Bestätigung erhielten, dass sie miteinander und mit ihren Angehörigen telefonierten könnten.
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