Geisel-Drama beendet: Sahara-Touristen frei

Die in Ägypten entführten elf europäischen Touristen sind frei. Das ägyptische Fernsehen zeigte am Montag ihre Ankunft auf einem Militärstützpunkt bei Kairo.

Die Touristengruppe war im Südwesten Ägyptens überfallen und verschleppt worden. Bild: dpa

KAIRO taz Erst tagelange Verwirrung über den genauen Aufenthalt der entführten Touristen, dann wie aus heiterem Himmel die erleichternde Nachricht: „Alle Geiseln sind frei“ hieß es auf dem Eilmeldungsbanner des staatlichen ägyptischen Fernsehens gestern Mittag. Sie erfreuten sich bester Gesundheit und seien auf dem Weg nach Kairo. Damit war die 10tägige Tortur der fünf deutschen, fünf italienischen Touristen, die zusammen mit einer rumänischen Reisenden und ihren acht ägyptischen Begleitern entführt worden waren, endgültig vorbei. Die Gruppe war am Freitag vor einer Woche bei einer Wüstensafari im Gilf El-Kebir, dem Dreiländereck zwischen Ägypten, Sudan und Libyen überfallen und zunächst in den Sudan verschleppt worden. Berichten zufolge hatten die Kidnapper sechs Millionen Euro Lösegeld gefordert.

Dann die endgültige Bestätigung: Die Ankunft der Urlauber um 15:30 auf einem Militärstützpunkt östlich von Kairo. Die befreiten Urlauber wurden zu einem Hubschrauber gebracht. Dem Vernehmen nach sollten sie zu einem Militärkrankenhaus geflogen und dort von Ärzten untersucht werden. Mitarbeiter des ägyptischen Tourismusministeriums überreichten ihnen Blumensträuße.

Das Auswärtige Amt wollte zu diesem Zeitpunkt die Meldung immer noch nicht bestätigen, obwohl deren Kollegen in Rom schon Stunden zuvor offiziell von der Freilassung sprachen. Ähnliche Äußerungen habe es bereits in der vergangenen Woche gegeben und sie hätten sich später nicht bestätigt, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, ein Hinweis auf einen peinlichen Ausrutscher des ägyptischen Außenminister Ahmad Abul Gheit, der bereits letzte Woche am Rande der UN-Vollversammlung bereits fälschlicherweise das Ende des Geiseldramas verkündet hatte. Die vor zehn Tagen in der ägyptischen Wüste entführten Geiseln sind frei.

Dann die ersten Details, wie die Gruppe freigekommen ist, auch von stolzer ägyptischer Seite. Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak war gerade dabei im Nildelta ein Wasserwerk zu eröffnen, als sein Verteidigungsminister vor laufenden Kameras des staatlichen Fernsehkanals seinem Chef Bericht erstattete. „Und was ist mit den Geiseln“, fragt Mubarak. „Die sind alle befreit und es ist kein Lösegeld geflossen“, antwortet Hussein Tantawi. „Und die Entführer“, so die präsidiale Nachfrage: „Die Hälfte wurde liquidiert“, erwiderte der Verteidigungsminister kryptisch.

Kurz darauf konnte ein ägyptischer Sicherheitsbeamter im Verteidigungsministerium nicht mehr an sich halten und verriet einer Nachrichtenagentur, dass ägyptische Spezialtruppen die Geiseln in einer militärischen Kommandoaktion aus einem Lager im Tschad nahe der sudanesischen Grenze befreit hätten. Danach hätten ägyptische Truppen am Montag im Morgengrauen die Geiselnehmer aus einem Hinterhalt heraus angegriffen. An der Befreiungsaktion seien 150 Mann beteiligt gewesen.

Der italienische Außenminister Franco Frattini wollte in Rom den Erfolgsmeldungen aus Kairo nicht nachstehen. An der Befreiung hätten auch "Männer des italienischen Geheimdienstes und der italienischen Streitkräfte teilgenommen", sagte er. Bei der Freilassung handele es sich bei um "das Ergebnis internationaler Zusammenarbeit, für die wir den Behörden anderer Staaten wirklich dankbar sein müssen", erklärte er. Der „hochprofessionelle Einsatz“ sei in Kooperation mit Ägypten und dem Sudan durchgeführt worden, außerdem hätten Geheimdienste und Spezialkräfte aus Deutschland dabei geholfen.

Die sudanesische Version der Befreiung klingt dagegen etwas anders und wneiger spektakulär. Aus Armeekreisen in Khartoum verlautete bereits am Sonntag, dass die Armee die Geiselnehmer verfolgt und in eine Schießerei verwickelt habe. Dabei soll der Anführer der Kidnapper und fünf weitere Entführer im Dreiländereck zwischen Ägypten, Sudan und Libyen getötet worden sein. Zwei Geiselnehmer seien bei der Aktion gefangen genommen worden. Laut Aussagen des Protokollchef des Außenministeriums Khartoum hätte die beiden Festgenommenen die Fluchtroute der restlichen Entführer in Richtung Ägypten verraten. Daraufhin hätten sudanesische Sicherheitskräfte versucht, ihnen den Weg abzuschneiden. Angeblich sollen nach dieser Version die Kidnapper ihre Geiseln bereits sich selbst überlassen. Die so überraschend Freigelassenen sollen dann in Eigenregie den Weg zurück nach Ägypten gefunden haben und seine dort von ägyptischen Sicherheitskräften in Empfang genommen worden.

Angeblich war zu diesem Zeitpunkt bereits die deutsche Ehefrau des ägyptischen Reiseunternehmers, der ebenfalls entführt wurde unterwegs, um das Lösegeld zu übergeben. Die unabhängige ägyptische Tageszeitung "El Masri El Yom" hatte berichtet, dass sich die Freilassung der Geiseln sich verzögere, weil die Kidnapper um ihre Sicherheit fürchteten. Angeblich waren sie zunächst nur bereit die Frauen freizulassen. Die Männer sollten erst nach einer geglückten sicheren Flucht der Entführer auf freien Fuß gesetzt werden.

Zuvor war über den genauen Aufenthalt der Geiseln wild spekuliert worden. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira hatte in Berufung auf sudanesische Quellen noch am Sonntagabend behauptet, die Geiseln seien in ein Gebiet im Tschad in Zentralafrika, 30 Kilometer von der Grenze zum Sudan entfernt, gebracht worden. Sie würden von 35 bewaffneten Männern bewacht. Außerdem hätten die Entführer Kontakte zu Rebellengruppen in Darfur. Es seien nach dem Schusswechsel mit den Geiselnehmern in einem derer Fahrzeuge entsprechende Dokumente gefunden worden. Eine Behauptung die von den Rebellengruppen zurückgewiesen wurde. Ebenso hatte der Botschafter des Tschad in Washington, Mahmud Adam Baschir abgestritten, dass sich die Gruppe jemals im Tschad aufgehalten hat.

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