Gedenktafel an der Humboldt-Universität: Du Bois in Berlin

Eine Gedenktafel des Künstlers Jean-Ulrick Désert erinnert an die Berliner Studienzeit des Bürgerrechtlers W.E.B. Du Bois. Nun wird sie eingeweiht.

Gedenktafek für Du Bois: links ein Porträt als Student, rechts ein Porträt als älterer Mann, in der Mitte zeigt eine Fotografie Du Bois mit weiteren Studierenden, oben ist Du Bois Unterschrift auf goldenem Untergrund zu sehen, unten seine Studiendaten an der HU (1892-1894), sowie 1958, das Datum seiner ebenfalls von der HU verliehenen Ehrendoktorwürde

Zeigt W.E.B. Du Bois in jungen Jahren als Student: Die Gedenktafel von Jean-Ulrick Désert Foto: Philipp Plum, HU Berlin

Der Bürgerrechtler und Wissenschaftler W. E. B. Du Bois („The Souls of Black Folk“) erhielt als erster Afro-Amerikaner einen Doktortitel der Harvard Universität. Zuvor war er Doktorand an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, der heutigen Humboldt-Universität, wo er zwischen 1892 und 1894 Ökonomie und Geschichte studierte und ebenfalls eine Dissertation verfasste. Als sein Stipendium durch den Slater Fund nicht verlängert wurde, lehnte die Universität die Schrift mit der Begründung ab, er habe ein Semester zu wenig belegt.

Wie Ulrike Hamann in „Prekäre Koloniale Ordnung“ schreibt, lässt sich angesichts der Recherchen durch den Du Bois-Biografen David Levering Lewis vermuten, dass diese formelle Hürde seitens des Förderfonds auch politisch begründet sein könnte: zu hoch hinaus wollte man die Generation, die nach der Reconstruction Era studierte, zunächst doch nicht kommen lassen. Die Ehrendoktorwürde, die die Humboldt-Universität Du Bois schließlich 1958 in Ökonomie verlieh, war in diesem Sinne auch eine Anerkennung solcher Dynamiken.

Was aus Hamanns Buch ebenso deutlich hervorgeht: Das Argument, rassistisches Denken in früheren Jahrhunderten sei in seiner Zeit begründet und damit unantastbar gewesen („so dachte man eben damals“), kann nicht gelten. Widerspruch und wissenschaftliches Gegenwissen zu Ungleichheitsverhältnissen gab es immer auch zeitgleich, selbst wenn diese legalisiert oder kulturell hegemonial waren.

Einweihung Gedenktafel mit Jean-Ulrick Désert, Naa Ajele Sharp (W.E.B. Du Bois Centre, Accra, Ghana, via videostream), Vivian Fogain (ISD), Mitgliedern der Black Student Union an der HU u. a.; Performance: Maroula Blades, 1.7., 19 Uhr, HU, Senatssaal, Unter den Linden 6 + auf Youtube

Tipp: Dekoloniales Flanieren vol. III, Stadtrungang der Nachbarschaftsinitiative Anton Wilhelm Amo-Straße (NAWS) „Anton Wilhelm Amo & W. E. B. Du Bois: Auf den Spuren vergessener Schwarzer Wissenschaftler in Berlin“ (Anmeldung willkommen), 1. 7., 17 Uhr, Start: Institut für Europäische Ethnologie, Anton-Wilhelm-Amo-Str. 40/41 (ehemals: M-Straße); Ziel: Gedenktafel im Hauptgebäude

Seit 1998 würdigen die „W. E. B. Du Bois Lectures“ und die „Distinguished W. E. B. Du Bois Lectures“ das Denken Du Bois’ mit internationalen Gästen. 2018 füllte beispielsweise die Künstlerin Faith Ringgold den Saal, die in den 60ern das Whitney mit seinen Strukturen des Gate-Keepings, insbesondere gegenüber Schwarzen Künstler:innen, konfrontierte.

Künstlerische Gestaltung des Gedenkens

Als permanente Form des Erinnerns an Du Bois’ Studienzeit in Berlin und an sein internationales Wirken fertigte Jean-Ulrick Désert nun im Auftrag des Instituts für Anglistik und Amerikanistik an der Humboldt-Universität eine Gedenktafel an, die bereits Ende Januar im Erdgeschoss installiert wurde. Für seine Arbeit wählte der interdisziplinäre Künstler, der dieses Jahr auch den ersten Wi Di Mimba Wi Commission Prize von AKB & SAVVY Contemporary erhielt, Farben, die auf die Panafrikanischen Kongresse verweisen, die Du Bois 1919 mit ins Leben rief.

Diesen Freitag (1. Juli) wird die Tafel nun in Anwesenheit von Jean-Ulrick Désert, David Levering Lewis und anderen eingeweiht. Per Video ist auch Du Bois’ Urenkel Arthur McFarlane zugeschaltet. Das Erbe von W. E. B. Du Bois lebt also auf vielen Ebenen weiter.

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