Fußballnationalmannschaft der Männer : Der eine und Einzige, der’s kann
Der DFB verkündet, dass Jürgen Klopp neuer Männer-Bundestrainer wird, Per Mertesacker wird Geschäftsführer. Der Fußballbetrieb funktioniert wie immer.
D er Retter hat strahlend weiße Zähne und wird von einem Weltkonzern freigestellt. Jürgen Klopp soll nicht weniger als dieses Land und dessen Fußball retten. Nach dem WM-Aus der deutschen Fußballmänner in Amerika gab es keine Zweifel, dass niemand anderes als er den Job des Bundestrainers übernehmen kann.
Am Freitag um 11.04 Uhr versandte der Deutsche Fußballbund die Nachricht: „Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer der A-Nationalmannschaft der Männer.“ Habemus Zahnweiß. Einen Vierjahresvertrag hat der 59-Jährige unterschrieben. Eine Viertelstunde später gab es die nächste Mail des DFB: „Per Mertesacker wird ab dem 1. Januar 2027 neuer Geschäftsführer Sport der DFB GmbH & Co. KG und tritt damit die Nachfolge von Andreas Rettig an.“
Der Fernsehexperte von Magenta macht den einen Job, der Fernsehexperte des ZDF bekommt den anderen. Und jener der ARD, Bastian Schweinsteiger, wurde auch als Kandidat für den Geschäftsführerposten gehandelt. Weiß denn beim DFB niemand, dass Lothar Matthäus Experte bei RTL, bei Sky und bei Bild ist? Dass er also dreimal so kompetent wie Klopp ist?
Der Fußballbetrieb funktioniert wie immer. Auf Julian Nagelsmann musste Klopp folgen. Alternativlos, kein anderer Name wurde gehandelt. So, wie einst Nagelsmann auf Hansi Flick folgen musste. Und davor Flick auf Jogi Löw. Immer sind sich alle sicher, dass es genau dieser eine ist, der die Nationalmannschaftskrise beenden wird. Für künftige Suchen darf man sich also die Namen Thomas Tuchel und Sebastian Hoeneß notieren.
Die Kriterien für die Bundestrainerakquise sind immer gleich: Es muss einer sein, den ganz Deutschland als guten Trainer anerkennt. Daher auch die Selbstverständlichkeit, mit der man sich bei den Fernsehexperten bedient: Entscheidend ist nicht „auf’m Platz“, wie eine alte Fußballweisheit glauben machen wollte, entscheidend ist, was später mit Zeitlupe, kalibrierter Linie, Standbild und so weiter aus dem Fußball gemacht wird.
Ein weiteres Kriterium für die deutsche Bundestrainerfindung, das allen Beteiligten so selbsterklärend scheint, dass gar nicht darüber nachgedacht wird: Es muss immer ein Mann sein, und es muss immer ein Deutscher sein.
Diese zwei Kriterien schränken die Suche derart ein, dass die Qualifikation des Kandidaten gar nicht erst abgefragt wird. Spaniens, Argentiniens und Frankreichs Coaches, deren Teams in den vergangenen Jahren nachweisbar besser spielten, waren überwiegend Auswahltrainer, niemand von ihnen hat einen Klub in die Weltklasse geführt, die Nationalteams aber sehr wohl.
In Deutschland ist man hingegen überzeugt, dass so einen Job nur jemand meistern kann, der Vereine trainiert hat und den man Fernsehen als freundlich lächelnden Experten kennt.
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