Fußball-WM-Quali Kroatien vs Serbien

Dinamo gegen Roter Stern

Wenn Kroatien und Serbien in der WM-Qualifikation aufeinandertreffen, dann geht es nicht nur um Fußball. Der Austragungsort weckt böse Erinnerungen.

Nationalismus auf den Rängen: Fans des serbischen Vereins FK Rad verbrennen die kroatische Flagge. Bild: Aleksandar Djorovic/imago

ZAGREB taz | Goran bringt einen „Rakija“ zum Frühstück. Der selbstgebrannte Obstschnaps hebe die Lebensgeister, verspricht er. Goran kommt aus Zagreb, er wird sich das Fußballspiel diesen Freitag zwischen Kroatien und Serbien am TV anschauen. Er will schon, dass Kroatien gewinnt, aber die Welt, sagt er, hänge für ihn nicht vom Ergebnis dieses Spiels ab. Nicht jeder sieht das so entspannt wie Goran.

Es ist ein hochbrisantes, politisch aufgeladenes Duell in der WM-Qualifikation an einem symbolischen Ort: dem Maksimir-Stadion in Zagreb. Die Vergangenheit hallt immer noch nach. Am 13. Mai 1990 trafen dort Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad aufeinander. Es kam zu schweren Schlägereien zwischen Hooligans aus Zagreb und Belgrad, auch Spieler von Dinamo traten auf Polizisten und Belgrader Fans ein.

Viele sehen in den Ereignissen von damals den Anfang des Bürgerkriegs im Vielvölkerstaat Jugoslawien. Die Ultra-Gruppierungen beider Klubs kämpften später an der Front gegeneinander. Noch heute erinnern die Dinamo-Ultras der Bad Blue Boys mit einem Denkmal am Maksimir-Stadion an die Toten aus ihren Reihen.

Im Vorfeld dieses Spiels steht auch die Geschichte von Igor Stimac und Sinisa Mihajlovic im Zentrum. Stimac ist Nationaltrainer Kroatiens, Mihajlovic der von Serbien. Beide standen sich Jahrzehnte lang wie Todfeinde gegenüber. Beim Pokalendspiel im Mai 1991 zwischen Hajduk Split und Roter Stern Belgrad sahen Stimac (Split) und Mihajlovic die Rote Karte.

Ein paar Tage zuvor hatten serbische Freischärler sich in Borovo ein tödliches Gefecht mit kroatischen Polizisten geliefert. Mihajlovic, Sohn eines Serben und einer kroatischen Mutter, stammt von dort. Stimac, so erzählte Mihajlovic später, habe ihm während des Pokalendspiels gesagt, er bete zu Gott, dass seine Familie ermordet werde.

Gegnerische Fans dürfen nicht kommen

Nun aber zeigen sich beide zumindest öffentlich versöhnlich, im letzten Jahr trafen sie sich in Warschau. „Das ist nicht die Fortsetzung des Krieges, es ist nur ein heißes Fußballspiel“, erklärte der ehemalige Italien-Pofi Mihajlovic in der Gazetta dello Sport. Doch längst sind nicht alle Wunden verheilt, 23 Jahre nach dem verhängnisvollen Spiel im Maksimir und 18 Jahre nach dem Ende des Krieges. Serbische Fans sind in Zagreb nicht zugelassen, beim Rückspiel in Belgrad im September keine kroatischen.

Der Druck der internationalen Fußballverbände ist groß. Die Gewalt rund um die Spiele kroatischer und serbischer Mannschaften wollen Fifa und Uefa nicht länger akzeptieren, sie drohen mit Ausschluss aus den Wettbewerben. In den letzten Monaten ist es vor allem Stimac nicht immer leicht gefallen, seine nationalistische Gesinnung zu verbergen.

Im November 2012 wurden die Generäle Mladen Markac und Ante Gotovina vom UN-Strafgerichtshof in Den Haag im Berufungsverfahren vom Vorwurf der Kriegsverbrechen freigesprochen. In Kroatien feierten die Menschen dies als Legitimation ihres Unabhängigkeitskrieges. Ein politisches Urteil sei das, hieß es in Belgrad, das den Kroaten den EU-Beitritt diesen Juli vereinfachen solle. Stimac erklärte damals, Gotovina könne doch symbolisch den Anstoß beim nächsten Heimspiel Kroatiens übernehmen. Diese Aussage löste nicht nur in Serbien Proteste aus, war doch das nächste Heimspiel jenes gegen Serbien. Stimac erklärte später, er sei falsch verstanden worden.

Für einen Eklat im Vorfeld sorgte auch Zdravko Mamic, der umstrittene Präsident von Dinamo Zagreb. Mamic bezeichnete den kroatischen Sportminister Zeljko Jovanovic als „Kroatenhasser“, der eine „Beleidigung für den kroatischen Verstand“ sei. Jovanovic gehört der serbischen Minderheit in Kroatien an. Regierungschef und Staatspräsident verurteilten die Äußerungen.

Selbst Davor Suker, den viele in Kroatien als Marionette Mamic’ bezeichnen, distanzierte sich in seiner Funktion als Präsident des kroatischen Fußballverbandes. Dennoch scheint die Stimmung insgesamt weniger vergiftet als noch 1999, als Kroatien in der EM-Qualifikation auf das damalige Jugoslawien traf. Mit dabei: Stimac als Spieler für Kroatien, Mihajlovic für Jugoslawien. Der WM-Dritte Kroatien scheiterte damals. Diesmal sind die Kroaten klarer Favorit. Gewinnt aber Serbien, könnten sie bis auf drei Punkte an Kroatien herankommen, die zusammen mit Belgien (beide 10 Punkte) die Tabelle anführen.

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