herzensort: Frischer Thymian und neun Katzen
Ich bin immer gerne mit dem Zug durch Europa gereist. Nächtelang habe ich zusammengerollt auf dem ruckelnden Boden verbracht, weil ich mal wieder zu geizig für eine Sitzplatzreservierung war. Fremde Schuhe und grelles Licht im Gesicht, unfreundliche Grenzkontrollen um Mitternacht, für viele klingt das wie ein Albtraum. Ich hingegen habe mich in keinem Moment freier gefühlt als beim morgendlichen Zähneputzen in der verdreckten Zugtoilette.
Dieses Jahr war anders. Ich bin mit meinem Freund nach Griechenland geflogen. Knapp zwei Wochen verbrachten wir in einer verlassenen Berghütte auf Syros, einer kleinen kykladischen Insel. Abends wurde es kalt und da es keine Heizung gab, wurde die Feuerholzsuche zur Tagesaufgabe. Wir hatten kein WLAN und keinen Fernseher, dafür frischen Thymian im Garten und neun streunende Katzen, um die wir uns wie fürsorgliche Eltern kümmerten.
„Du sprichst schon wie eine Mama“, sagte mein Freund am letzten Urlaubstag zu mir. Vor einigen Jahren hätten sich mir bei solchen Aussagen alle Haare aufgestellt. Und jetzt? Muss ich darüber lächeln, wie aufregend das klingt.
Katharina Federl
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