Freude mit Ortsnamen: Punk Oi!
Über die Namen Berliner Bezirke und eine besondere Methode, Englisch-und Erdkundeunterricht miteinander zu verknüpfen.
M arie sitzt am Küchentisch und macht Hausaufgaben. Ich sehe ihr über die Schulter. Beautiful mountain, Wilma's Village, Charly's Castle, French Bookwood, Marriage hat sie auf ein Blatt geschrieben.
„Was ist das?“, frage ich. „Englisch“, sagt sie. „Und Erdkunde.“ „Englisch und Erdkunde?“, sage ich erstaunt. „Frau Weiner unterrichtet beides bei uns. Zwei Fliegen mit einer Klappe meinte sie.“ „Das musst du mir erklären.“
„In Erdkunde haben wir Berlin als Thema. Wir sind gerade bei den Bezirken und Ortsteilen. Jeder muss 25 Ortsteile ins Englische übersetzen. Frau Weiner hat es so aufgeteilt, dass alle 97 Ortsteile abgedeckt sind. A complete translation of Berlin.“
Ich sehe noch mal auf den Zettel. Beautiful Mountain. Das wird Schöneberg sein. Und die anderen … Wilmersdorf, Charlottenburg, Französisch Buchholz. Marriage … ist wohl Wedding. Wortschatzerweiterung und Heimatkunde in einem, nicht schlecht.
„Es gibt doch auch unübersetzbare Ortsnamen“, überlege ich. „Die sollen wir etymologisch knacken oder frei übersetzen.“ Ich sehe Marie fragend an. „Pankow“, sagt sie. „Frei übersetzt könnte das laut Frau Weiner Punk Oi! heißen.“ „Und wie knackt man einen Ortsteil etymologisch?“
„Indem man sich die Herkunft des Namens anschaut. Steglitz etwa hat einen slawischen Ursprung und bedeutet Ort, wo es Stieglitze gibt. Also: Home of Goldfinches.“ Klingt wie ein Highschool-Baseballteam aus einem Donna Tartt-Roman.
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Marie schiebt das Blatt zur Seite und schlägt ihr Heft auf. In ihrer schönsten Schrift steht dort in der linken Spalte Less Beautiful Living, Naked Castle, Slaying Sea, Peace Meadow, Hawks Courtyard, Sailor's Town, Counting Village. Und auf der rechten Seite: Niederschönhausen, Blankenburg, Schlachtensee, Friedenau, Adlershof, Siemensstadt, Zehlendorf. Übersetzungen haben ihre ganz eigene Schönheit, denke ich.
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