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Frau­en*­streik in BerlinKein Bock mehr, alles am Laufen zu halten

In Berlin bestreikten am Montag Frauen* ihre schlechter oder gar nicht bezahlte Arbeit. Recht haben sie, meint unser Autor – und schmeißt auch hin.

Etwa 1.000 Frauen* erschienen vor dem Brandenburger Tor zur großen Streikkundgebung Foto: Fabian Sommer/dpa

Es braucht nicht lange, bis ein Mann beweist, wie wichtig das hier alles ist. „Immer Feminismus! Freiheit für die Fotzen!“, pöbelt ein besoffener Typ, als sich um 12 Uhr mittags am Kottbusser Tor eine Demonstration zum Frau­en*­streik am 9. März aufstellt. Die umherstehenden Streikenden rollen nur mit den Augen. „Wegen genau solchen Typen hier“, beantwortet eine der Streikenden die Frage des Reporters, was sie heute auf die Straße zieht.

In der Berliner Innenstadt waren am Montag immer wieder Frau­en*­grup­pen zu sehen, die sich den verschiedenen Aufrufen angeschlossen haben, am 9. März ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederzulegen. In Kreuzberg waren lila gekleidete Gruppen beispielsweise vor Buchläden und dem Axel-Springer-Gebäude zu sehen, wild tanzend und lärmend. Am Platz des 18. März folgten etwa 1.000 Frauen* dem Aufruf der Gruppe Enough!, die Demos in einigen deutschen Städten und international organisiert hatte. Insgesamt waren in Berlin 15 Demos zum Frau­en*­streik angekündigt.

Das Ziel: Ein globaler Generalstreik der Frauen*, um stillzulegen, was sonst, wenn es auch oft unsichtbar bleibt, alles am Laufen hält: Die dem Gender Pay Gap entsprechend unterbezahlte Arbeit in den Betrieben, aber vor allem auch die viele Sorge- und Carearbeit in Haushalt, Pflege und Betreuung, die immer noch zum Großteil von Frauen* geleistet wird.

Demonstrationen sind ja schön, aber wirklich Druck kann man eben nur mit Arbeitsniederlegung machen.

Streikende auf dem Frau­en*­streik­tag

Autor schmeißt hin

In Deutschland, wo das Streiken für größere politische Ziele weiter als verboten gilt, ist das gar nicht so einfach. „Ich bin richtig sauer, mein Arbeitgeber hat mir explizit verboten, zu streiken“, sagt eine junge Frau auf der Demonstration in Kreuzberg. Dabei arbeite sie – ausgerechnet – für eine Einrichtung für von Gewalt betroffene Frauen. Sie habe nun Urlaub nehmen müssen. Andere Streikende erzählen, von ihren Arbeitgebern ein Okay bekommen zu haben.

„Letztlich ist das ja alles nur Symbolik“, bringt eine streikende Hebamme auf dem Platz des 18. März die Situation auf den Punkt. Eine „Schweinerei“, findet sie das Verbot des politischen Streiks in Deutschland – aber das mache ja den symbolischen Akt nicht schlecht. „Wir, die es können, streiken heute für alle, die es nicht können“, sagt sie.

Am Kottbusser Tor erzählt die Frau, die in der Gewaltschutzeinrichtung arbeitet, der Streik am 9. März sei umso wichtiger, da der 8. März in diesem Jahr auf einen Sonntag gefallen ist. „Demonstrationen sind ja schön, aber wirklich Druck kann man eben nur mit Arbeitsniederlegung machen“, sagt sie. Auch Männer könnten mal mitmachen: Vielleicht nicht im Vordergrund, aber sie könnten ja die Care-Arbeit übernehmen, damit ihre Partnerinnen streiken können. Und dafür aus Solidarität auch mal selbst die Arbeit niederlegen.

Recht hat sie, denkt sich auch der Autor an dieser Stelle. Und schmeißt deshalb auch hin.

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