Frauenboxen in Nigeria: Zur richtigen Zeit zuschlagen
Elizabeth Oshoba ist eine Profiboxerin aus Nigeria. Seit 2024 ist sie Weltmeisterin, doch nun könnte sie auch zum Weltstar aufsteigen.
D iese Boxkolumne handelt von Sichtbarkeit. Es geht um Elizabeth Oshoba, eine nigerianische Profiboxerin, die völlig zu Recht derzeit eine gute Presse hat. Im Jahr 2024 wurde die heute 26-Jährige Weltmeisterin, korrekt formuliert: WBC Silver Federgewichts-Champion. Der Online-Dienst Punch schrieb jüngst: „Damit wurde sie die erste nigerianische Boxerin, die einen Weltmeistertitel errang.“
Seit zwei Jahren Weltmeisterin und dafür heute gewürdigt? Die Erklärung findet sich im Jahr 2025. Da unterschrieb Oshoba nämlich einen Vertrag mit dem US-Boxpromoter Jake Paul. Dessen Firma MVP setzt vor allem auf Frauenboxen. Seine Erfolge lassen sich nicht leugnen. Elizabeth Oshoba passt zu MVP, nämlich so wie sie beworben wird, als „erste nigerianische Weltmeisterin“.
Nur, das ist sie gar nicht. Vor ihr gab es Ijeoma Egbunine. Sie war 2006 Titelträgerin im Halbschwergewicht. Ihr Verband war der im Frauenboxen renommierte WIBF. Wer auf die Suche nach guten nigerianischen Profiboxerinnen geht, wird auch über den Namen Helen Joseph stoßen, die zweimal, 2012 und 2015, als Herausforderin um den IBF-Federgewichtstitel boxte, allerdings verlor.
Der Unterschied zwischen Ijeoma Egbunine und Helen Joseph auf der einen und Elizabeth Oshoba auf der anderen Seite? Jake Paul, der Oshoba jetzt auf eine Weise vermarktet, wie es zu Josephs und Egbunines besten Zeiten noch nicht möglich war.
Nigerianische Vorgeschichte
Profiboxen gibt es in Nigeria mit seinen 230 Millionen Einwohnern zwar erst seit den frühen 1940er-Jahren, und das moderne Amateurboxen kam mit den britischen Kolonialherren ins Land, aber es gibt eine im Norden des Landes beheimatete verwandte Tradition, das Dambe. Jeder Kämpfer hat eine „Speer“ genannte Schlaghand, die umwickelt ist, und eine „Schild“ genannte Hand, die offen ist und der Verteidigung dient. Wie die Vorläufer des europäischen Sports auch, wurde Dambe im 15./16. Jahrhundert auf Volksfesten, etwa zum Erntedank, populär.
Es ist diese Vorgeschichte, die nigerianische Weltklasseboxer hervorbrachte. 1957 wurde der Federgewichtler Hogan Bassey erster nigerianischer Weltmeister. 1962, ein Jahr vor der Unabhängigkeit, wurde Dick Tiger Mittelgewichts-, 1965 dann Halbschwergewichts-Champ.
Auch Frauen boxten immer, aber nicht bei von Verbänden lizenzierten Veranstaltungen. Offiziell wurde das erst ab den 1980er/90er-Jahren – so wie in Europa und Nordamerika auch. Mittlerweile sind es etwa 1.000 Amateur- und sieben bis acht Profiboxerinnen. Die Zahl stammt aus dem Jahr 2019; es ist gut möglich, dass es mittlerweile mehr Berufsboxerinnen gibt. Der nigerianische Boxpromoter Saleh Fawaz sagt: „Die Einstellung gegenüber Boxerinnen in Nigeria hat sich definitiv verändert.“ Erfolge im Amateurboxen, etwa bei Olympia, den Afrikameisterschaften oder den Commonwealth Games, hätten für Anerkennung gesorgt, sagte Fawaz der südafrikanischen Journalistin Ruth Hopkins. Männliche Profis verdienten etwa das Doppelte von Frauen, berichtet er, „aber selbst Männer verdienen mitunter nur 400 US-Dollar, und das reicht kaum für die monatlichen Fahrtkosten.“
Eine boomende Sportart also, die aber noch lange nicht ökonomisch stabil genug aufgestellt ist. Das erklärt, warum Elizabeth Oshoba mit ihrem amerikanischen Promoter so wichtig für das nigerianische Boxen ist. Sie ist zwar nur das geworden, was Ijeoma Egbunine schon war: Profiweltmeisterin. Aber sie kann anders als ihre Vorgängerinnen diejenige werden, die sichtbar ist. Die Boxerin, deren Erfolge eine breitere Öffentlichkeit zur Kenntnis nimmt. Ein Star eben.
Neun Kämpfe, neun Siege, davon fünf durch K.o., ist Oshobas aktuelle Bilanz. Ende April boxt sie wieder.
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