Französische Soldaten in Mali: Die Junta zieht Grenzen
Mali beendet die militärische Kooperation mit Frankreich. Für die Sicherheit ist das eine schlechte Nachricht – aber der Schritt hat gute Gründe.
D ie Kündigung der militärischen Kooperation mit Frankreich ist der nächste Schritt Malis in Sachen Loslösung von der einstigen Kolonialmacht – auch wenn er erwartbar war. Frankreich hatte bereits im vergangenen Jahr das Ende der Anti-Terror-Mission “Barkhane“ bekanntgegeben. Zumindest in der bisherigen Form wird sich Frankreich nicht weiter in dem Sahelstaat engagieren.
Ob das ein cleverer Schachzug der malischen Junta ist, ist eine andere Frage: Nigers Präsident Mohamed Bazoum warnt, dass bei einem Rückzug internationaler Truppen der Norden Malis noch stärker zum rechtsfreien Raum werde und die Sicherheit der Nachbarstaaten weiter bedrohe. Wie viele Söldner der russischen Wagner-Gruppe – offiziell wird von einer „Kooperation“ mit dem russischen Staat gesprochen – im Land sind, ist außerdem unklar.
Pikant ist, dass einige Wagner-Söldner am schweren Massaker von Moura mit 500 Toten beteiligt gewesen sein sollen, was auch für die Zukunft ein Risiko für die Zivilbevölkerung bedeutet. Russland hat kein Interesse an Malis Stabilität, sondern an lukrativen Verträgen und der Chance, die Präsenz in Afrika auszubauen.
Auch wenn es keine Umfragen zur aktuellen Entscheidung gibt: Die Junta hat weiterhin Rückhalt in der Bevölkerung, da die vorherige gewählte Regierung nicht geliefert hat und „Barkhane“ nicht den erhofften Erfolg brachte. Mehr noch: Bei Einsätzen soll es keine Absprachen mit der malischen Seite gegeben haben. Stattdessen hatte Frankreich eigenmächtig gehandelt und höchstens nachträglich informiert.
Das ärgert viele Malier*innen, ja die Bewohner*innen der ganzen Region gewaltig, fühlen sie sich doch in die Zeit des Kolonialismus zurückversetzt. Die Junta zieht nun klare Grenzen. Viele Menschen denken allerdings weitaus pragmatischer: Sie fragen nicht danach, ob Europa, Russland oder China Stabilität bringt. Ihnen ist es wichtig, dass es endlich einen Ausweg aus der seit zehn Jahren anhaltenden Krise gibt, egal wer diesen anbietet.
Links lesen, Rechts bekämpfen
Gerade jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt, braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit Polylux. Das Netzwerk engagiert sich seit 2018 gegen den Rechtsruck in Ostdeutschland und unterstützt Projekte, die sich für Demokratie und Toleranz einsetzen. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Noch bis zum 31. Oktober gehen 50 Prozent aller Einnahmen aus den Anmeldungen bei taz zahl ich an das Netzwerk gegen Rechts. In Zeiten wie diesen brauchen alle, die für eine offene Gesellschaft eintreten, unsere Unterstützung. Sind Sie dabei? Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Krise bei VW
Massiver Gewinneinbruch bei Volkswagen
VW-Vorstand droht mit Werksschließungen
Musterknabe der Unsozialen Marktwirtschaft
Verfassungsgericht entscheidet
Kein persönlicher Anspruch auf höheres Bafög
Kamala Harris’ „Abschlussplädoyer“
Ihr bestes Argument
Zu viel Methan in der Atmosphäre
Rätsel um gefährliches Klimagas gelöst
Nahostkonflikt in der Literatur
Literarischer Israel-Boykott