Französische Fehde nach EM-Aus: Die rabiate Mutter Rabiot

Bei den Franzosen geht es nach dem frühzeitigen Ausscheiden aus dem Turnier gegen die Schweiz so hoch her wie beim Elternabend.

Didier Deschamps drückt seine Hand auf die Brust von Adrien Rabiot

Geht man so mit Adrien Rabiot um? Trainer Didier Deschamps muss sich auf Protest gefasst machen Foto: Pool AP

Es wäre keine französische Niederlage ohne etwas Extra-Drama. Nach dem Aus gegen die Schweiz hatte Karim Benzema an Mitspieler und Medien appelliert, ruhig und fair zu bleiben, aber da war es im Grunde schon zu spät. Denn während Kilian Mbappé noch betreten über das Feld schlich, die französischen Spieler auf dem Rasen lagen und Didier Deschamps das Gesicht zusammenkniff, als wäre es eine leergetrunkene Caprisonnentüte, da hatte es auf den Rängen schon gekracht.

Mittendrin: Véronique Rabiot. La dame au feu, wie man sie in Frankreich nennt. Noch während des Spiels hatte sie die Familie von Paul Pogba angemacht, weil der sich vor dem Schweizer Ausgleich einen Ballverlust geleistet hatte. Nach Mbappés verschossenen Elfmeter nahm sie sich dessen Vater Wilfried vor und sagte ihm, dass er seinem Sohn mal den Kopf geraderücken müsse, und dass so ein Elfmeterschuss ja wohl nicht angehe. Ein beistehender Zuschauer berichtete, sie hätte noch hinzugefügt, Mbappé denke zwar, er sei ein großer Spieler, „aber er ist nur ein Kind, das sich für einen großen Spieler hält“.

Von ihrem eigenen Sohn ist sie da deutlich überzeugter, das hat sie die vergangenen Jahre auch eindeutig dokumentiert. Bei Paris Saint-Germain legte sie sich regelmäßig mit den Verantwortlichen an, einmal musste sie von Securities vom Vereinsgelände verwiesen werden, weil sie dem damaligen Trainer Laurent Blanc in der Tiefgarage aufgelauert hatte.

Als Adrien Rabiot später nach Vertragsstreitigkeiten und Disziplinlosigkeit sechs Monate lang auf der Tribüne saß, sagte sie in einem Interview: „Adrien ist Gefangener des PSG, er ist seine Geisel. Bald wird er in einem Loch hocken bei Wasser und trocken Brot. Diese Branche ist grausam.“

Es kam dann anders, Adrien Rabiot wurde kein moderner Graf von Monte Christo, sondern wechselte zu Juve (ein Deal mit Barcelona scheiterte an den Gehaltsvorstellungen von Mutter Rabiot). Auch in der Nationalmannschaft hat die Personalie Rabiot schon zu Verwerfungen geführt; 2018 hatte Deschamps den Spieler nur in den erweiterten Kader berufen, und Rabiot hatte daraufhin öffentlich gesagt, als Backup stünde er nicht zur Verfügung. Nachdem der Verbandspräsident Noël Le Graët in einem Interview sagte, man habe sich versöhnlich ausgesprochen, rief Véronique Rabiot bei der Hotline eines Radiosenders an, um klarzustellen: Ein Gespräch hätte es nie gegeben, Le Graët sei ein Lügner.

Adrien Rabiot hatte gegen die Schweiz übrigens ein äußerst durchwachsenes Spiel auf der Außenbahn. Elfmeter schoss er keinen. Nach der Intervention seiner Mutter steht allerdings zu erwarten, dass er beim nächsten Mal alle fünf schießen muss. Falls ihn überhaupt noch jemand einladen wird.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de