Frankreich und Corona: Langsam, aber sicher

Regierungschef Edouard Philippe kündigt für kommende Woche erste Lockerungen an. Im Großraum Paris dauert alles ein wenig länger.

Frankreichs Premier vor einer Frankreichkarte, die, je nach Infektionsgrad in verschiedenen Zonen geteilt ist

Regierungschef Edouard Philipp erläutert die Lockerungen, die ab kommender Woche greifen sollen Foto: reuters

PARIS taz | Der französische Premierminister Edouard Philippe hat bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Beisein mehrerer Minister bestätigt, dass ab kommenden Montag in ganz Frankreich (mit Ausnahme der Insel Mayotte im Indischen Ozean) die Lockdown-Maßnahmen „langsam, aber sicher“ beendet werden können. Der Weg zurück zur „Normalität“ sei aber noch lang und hänge aus Sicht der Regierung vom „vernünftigen“ Verhalten der Bevölkerung ab.

Eine Landkarte mit Zonen, mehrheitlich in Grün und in Rot in vier Regionen im nordöstlichen Viertel des Territoriums, illustriert, dass die Situation geografisch verschieden ist. Generell wird es aber möglich, sich ab nächster Woche in einem Umkreis von 100 Kilometern vom Wohnort zu bewegen sowie Freunde und Familienangehörige zu besuchen.

Dabei gelte es vorsichtig zu sein und Abstand zu wahren. Wenn in den nächsten drei Wochen – dank der erhofften Disziplin der Bevölkerung, an die Philippe eindringlich appellierte – alles gut gehe, könnte in der grünen Zone sogar erwogen werden, nicht nur die vorläufig noch geschlossenen Mittelschulen wieder zu öffnen, sondern unter bestimmten Bedingungen und Auflagen auch Cafés und Restaurants.

In den roten Zonen (vom Großraum Paris bis zur deutschen Grenze) zirkuliert das Virus weiterhin stark und die Intensivstationen der Krankenhäuser stehen dort unter Druck. Deshalb müsse in diesem Teil Frankreich die Beendigung der Restriktionen langsamer erfolgen.

Maximal 15 SchülerInnen

Das gilt besonders für die Grundschulen und Tageskrippen, die prinzipiell überall ab Mitte der Woche öffnen. Die Klassenstärke bleibt auf maximal 15 SchülerInnen begrenzt. Auch ist es den Eltern freigestellt, ihre Kinder in den Unterricht zu schicken. Laut Umfragen haben rund 60 Prozent die Absicht, die Kleinen vorerst zu Hause zu lassen. Noch ist offen, ob die LehrerInnen mitmachen.

Der Plan der Regierung zielt offensichtlich darauf ab, dass die Franzosen und Französinnen möglichst rasch wieder ihre beruflichen Aktivitäten aufnehmen, sofern sie nicht von Zuhause aus arbeiten können. Nur, wie kann vermieden werden, dass dabei zu einem Riesengedränge in der Metro und den Vorortszügen kommt?

Die Pariser Verkehrsbetriebe haben sich mit den Behörden der Hauptstadtregion, dem Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften auf eine Charta geeinigt, der zufolge in der ersten Woche die Arbeit im Homeoffice noch zu 100 Prozent fortgesetzt, in der zweiten auf 90 Prozent und dann ab 25. Mai auf 80 Prozent reduziert wird.

Zudem sollen die Arbeitszeiten der anderen, die in den Betrieb oder ins Büro zurückkehren, so angepasst werden, dass das Personal gestaffelt zwischen 5.30 und 10.30 Uhr eintrifft und zwischen 15 und 19.30 Uhr den Heimweg antreten kann.

135 Euro Strafe

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in diesen Stoßzeiten für die Erwerbstätigen reserviert, vor Bahnhöfen und in der Metro soll darum kontrolliert werden, dass die Passagiere eine von den Unternehmen ausgestellte Bestätigung ihrer Arbeitszeiten vorweisen können.

Bei Zuwiderhandlung droht eine Geldbuße von 135 Euro. Grundsätzlich sollen alle BenutzerInnen der Metro und der Vorortsbahnen eine Gesichtsmaske tragen, die ihnen bei Bedarf in den ersten Tagen ausgehändigt werde, hat Transportministerin Elisabeth Borne versprochen.

Innenminister Christophe Castaner kündigte polizeiliche Straßenkontrollen, zum Beispiel an Mautschranken der Autobahnen oder vor Urlaubsorten, an. So soll ein „Völkerwanderung“ aus den Städten wie zu Beginn des Lockdowns (als rund 600'000 HauptstadtbewohnerInnen in ihre Land- oder Ferienhäuser in der Provinz flüchteten) verhindert werden.

Wer sich weiter als 100 Kilometer vom Wohnort entfernt, muss dafür einen stichhaltigen beruflichen oder familiären Grund angeben können. Castaner erklärte zudem, dass Frankreichs Grenzen auch für EU-Bürger – mit Ausnahme für Grenzgänger und wegen anderer beruflicher Verpflichtungen – geschlossen bleiben und dass für Einreisende zwei Wochen Quarantäne angeordnet werden könne.

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