Folgen des Iran-Krieges auf Zypern: Griechenland schickt Kampfjets
Eine Drohne vom Typ Shahed explodiert auf dem britischen Militärstützpunkt von Akrotiri. Flugbetrieb läuft unterdessen wieder an.
Kurz nach Mitternacht sei auf dem britischen Stützpunkt von Akrotiri bei Limassol Alarm ausgelöst worden, berichteten zypriotische Medien am Montag in der Frühe übereinstimmend.
Konkret sei es auf dem Rollfeld zu einer Explosion gekommen, die durch den Absturz einer Militärdrohne verursacht worden war. Wie der staatliche Fernsehsender RIK berichtete, sei zudem ein zweites Flugobjekt abgefangen worden. Nach dem Vorfall berief der Präsident der Republik Zypern, Nikos Christodoulidis, für Montag um 8.30 Uhr Ortszeit eine Sondersitzung des Nationalrats im Präsidentenpalast in Nikosia ein.
In seiner Botschaft betonte Christodoulidis, dass die Republik Zypern „nicht beabsichtige, sich an militärischen Operationen zu beteiligen“. In seiner Erklärung bestätigte er, dass am 2. März um 0.03 Uhr Ortszeit ein unbemanntes Fluggerät vom Typ Shahed innerhalb der militärischen Einrichtungen des britischen Stützpunktes in Akrotiri abgestürzt sei und dabei Sachschäden verursacht habe.
Von Anfang an seien, so Christodoulidis weiter, „alle zuständigen Dienste der Republik in Alarmbereitschaft und voller Einsatzbereitschaft.“ Gleichzeitig stehe er „in ständigem Kontakt mit allen europäischen Staats- und Regierungschefs und den Staats- und Regierungschefs anderer Länder.“
Kein Nato-Mitglied
Die Republik Zypern ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union, aber nicht der NATO. Auf der seit dem Sommer 1974 faktisch geteilten Mittelmeerinsel mit ihren insgesamt 1,25 Millionen Einwohnern existieren zwei britische Stützpunkte: Akrotiri (griechisch: Ακρωτήρι) sowie Dekelia (griechisch: Δεκέλεια).
Die beiden britischen Militärbasen sind britisches Hoheitsgebiet und werden im Englischen offiziell als Sovereign Base Areas of Akrotiri and Dhekelia (SBA, deutsch: Souveräne Stützpunktgebiete) bezeichnet. Die Verwaltung der Militärbasen befindet sich in Episkopi Cantonment, dem in Akrotiri gelegenen Hauptsitz der SBAA (Sovereign Base Areas Administration).
Das Vereinigte Königreich beteiligt sich nach eigenen Angaben im Nahen Osten an einem defensiven Militäreinsatz gegen Iran. Verteidigungsminister John Healey zufolge schießen britische Flugzeuge Drohnen und Raketen ab, wenn sie diese entdecken.
Vor dem Vorfall in Akrotiri hatte der britische Premierminister Keir Starmer erklärt, dass er den USA die Genehmigung erteilt habe, britische Stützpunkte „für bestimmte und begrenzte Verteidigungszwecke“ zu nutzen. Am Sonntag hatten sowohl Starmer als auch die Regierung in Nikosia Berichte des britischen Verteidigungsministers zurückgewiesen, wonach iranische Raketen auf dem Weg nach Zypern abgefangen worden seien.
In den Orten Akrotiri, Episkopi, Trachoni und Asomatos unweit des britischen Stützpunktes wurden die Schulen am Montag vorsorglich geschlossen. Die Einwohner im Ort Akrotiri hatten bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag aus Sicherheitsgründen ihre Häuser verlassen. Der Drohnenabsturz wird auch durch E-Mails der britischen Stützpunkte an Mitarbeiter bestätigt.
In einer ersten Nachricht wurden die Mitarbeiter und ihre Familien aufgefordert, aufgrund einer Sicherheitsbedrohung in ihren Häusern zu bleiben und Schutzmaßnahmen fern von Fenstern zu ergreifen.
Stützpunkt teilweise evakuiert
In einer zweiten Nachricht wurde ein Drohnenangriff auf die Landebahn der Stützpunkte von Akrotiri erwähnt, bei dem es zu Sachschäden kam, jedoch keine Verletzten zu beklagen waren. Ein Anwohner berichtete, dass eine starke Explosion zu hören gewesen sei und anschließend Flugzeuge von den britischen Stützpunkten gestartet seien. Die Polizei der Stützpunkte habe die Straßen nach Akrotiri gesperrt.
Als Vorsichtsmaßnahme wurde die vorübergehende Evakuierung des nicht unbedingt benötigten Personals des Stützpunktes angeordnet: Wie die zypriotische Zeitung Fileleftheros am Montagmittag in ihrer Online-Ausgabe berichtete, seien um 12.11 Uhr Ortszeit Kampfflugzeuge gestartet und der Stützpunkt sei evakuiert worden. Um 12.15 Uhr Ortszeit hätten die Mitarbeiter den Stützpunkt verlassen, das Tor sei geschlossen worden.
Kurz nach 12 Uhr Ortszeit wiesen die Behörden auch das Personal des internationalen Flughafens Paphos an, die Gebäude zu räumen. Informationen zufolge hätten die Sicherheitsbehörden Hinweise auf eine drohende Gefahr für den Flughafen und den zypriotischen Luftwaffenstützpunkt Andreas Papandreou in Paphos durch eine Drohne erhalten. Die Lufthansa sowie Easyjet stellten ihren Flugbetrieb nach Zypern ein, wie am Montagmittag in Nikosia bekannt wurde. Am Montagnachmittag ging der Flughafen dann wieder ans Netz.
Griechenland entsendete nach dem Drohnenangriff auf die britische Luftwaffenbasis Akrotiri in Zypern zwei Fregatten und zwei F-16-Kampfjets zur militärischen Unterstützung der EU-Inselrepublik. Der Athener Verteidigungsminister Nikos Dendias kündigte die Entsendung am Montag im griechischen Rundfunk ERTNews an.
Die Fregatten verfügen über moderne Luft- und Drohnenabwehrsysteme. Wie Verteidigungsminister Dendias zudem bekanntgab, werde er am Dienstag gemeinsam mit dem griechischen Generalstabschef Dimitrios Choupis auf Zypern eintreffen. Dabei sei ein Treffen mit Zyperns Staatspräsident Christodoulidis sowie seinem zypriotischen Amtskollegen Vassilis Palmas geplant.
Anm. der Redaktion: Der Text wurde im Laufe des Tages mehrfach aktualsiert.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert