piwik no script img

Folge des KlimawandelsEidechsen kommen alt zur Welt

Der Hitzestress hat laut einer Untersuchung fatale Folgen für Eidechsen. Sie sind schon bei Geburt physiologisch „alt“.

Gina La Mela

Aus Berlin

Gina La Mela

Zehn Jahre lang beforschten Wis­sen­schaft­le­r:in­nen in Frankreich Waldeidechsen (Zootoca vivipara). Sie stellten fest: Der durch die Klimakrise ausgelöste Hitzestress führt zu einer Telomerverkürzung bei den nur 15 Zentimeter großen bräunlichen Reptilien, was sie bereits bei der Geburt physiologisch „alt“ macht.

Telomere sind Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Mit jeder Zellteilung werden die Telomere kürzer. Sind sie irgendwann zu kurz, stirbt die Zelle. Auch beim Menschen hängt der Alterungsprozess mit der Länge der Telomere zusammen.

Die Studie, die ein Forschungsteam um den Biologen Andréaz Dupoué vom Meeresforschungsinstitut Ifremer in Frankreich durchführte, zeigt, dass Hitzestress ein weiterer Faktor ist, der zur schnelleren Telomerverkürzung beiträgt. Sie wurde im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences“veröffentlicht.

Das Verbreitungsgebiet der Waldeidechse erstreckt sich über große Teile Eurasiens. Die For­sche­r:in­nen untersuchten zehn verschiedene Populationen dieser Art im französischen Zentralmassiv. Frankreich ist seit Jahren von extrem heißen Sommern betroffen, auch in diesem Jahr werden Temperaturen über 40 Grad Celsius gemessen.

Aussterben einzelner Völker nicht unwahrscheinlich

Die Wis­sen­schaft­le­r:in­nen vermuten, dass die kurzen Telomere über die Weibchen weitervererbt werden. Damit ist ein Aussterben einzelner Völker nicht unwahrscheinlich. Eine der zehn untersuchten Populationen war am Ende des Studienzeitraums nicht mehr vorhanden.

Reptilien sind wechselwarme Tiere, das heißt, ihre Körpertemperatur hängt von der Außentemperatur ab. Jüngste Beobachtungen zeigen, dass auch andere Reptilienarten von der Erderwärmung betroffen sind, beispielsweise Schildkröten und Alligatoren. Inwiefern gesamte Arten wirklich vom Aussterben bedroht sind und welche Auswirkungen das auf die Ökosysteme hat, ist noch nicht klar.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • Es ist möglich, dass wir einen Zustand erreichen, wo letztlich auf allen Ebenen die Systeme kollabieren. Wir benehmen uns aber so, als ob man Klimapolitik ruhig noch einmal verschieben kann. Am Ende wird das nicht nur für Eidechsen fatale Folgen haben können.

    • @PolitDiscussion:

      nicht Folgen haben können, sondern Folgen haben werden !