Flüchtlingsleichen im Kühlschrank

Sizilianischer Klinikchef suspendiert

Wie Schlachtabfälle waren tote Menschen in einem Krankenhaus in Augusta gelagert worden. Die Betreibergesellschaft hat reagiert.

Blumen und Gräber auf dem Friedhof in Siracusa

Mittlerweile sind alle 17 Toten begraben. Sechs von ihnen auf dem Kommunalfriedhof von Siracusa. Foto: Christian Jakob

BERLIN taz | Nach einem taz-Bericht über die unwürdige Lagerung der Leichen von 17 Flüchtlingen in einem sizilianischen Krankenhaus sind dort Konsequenzen gezogen worden: Am Montag teilte die regionale Krankenhausgesellschaft ASP mit, dass der Direktor der kommunalen Klinik von Augusta vorerst suspendiert sei, ein Disziplinarverfahren wurde aufgenommen.

Zudem habe er den Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese soll prüfen, „ob strafwürdiges Verhalten vorliegt“, erklärte der ASP-Direktor Salva Brugaletta. Im Krankenhaus der ostsizilianischen Stadt Augusta dürfen bis auf Weiteres keine Leichen verwahrt werden.

Die 17 Migranten waren vermutlich am 29. Mai auf einem Boot vor der libyschen Küste gestorben. Die Rechtsmediziner, die ihre Leichen begutachtet haben, gehen davon aus, dass sie durch die Inhalation von Treibstoffdämpfen nach einem Motorschaden gestorben sind. Über die Identität der Toten ist nichts bekannt, vermutlich handelte es sich um Eritreer.

Ein Mitarbeiter der deutschen Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit war bei Recherchen zufällig in die Leichenkammer gelangt, wo er den geöffneten Kühlschrank fotografierte. Auf den Bildern war zu erkennen, dass in Müllsäcke und Leinentücher eingehüllte Tote übereinander lagen wie Schlachtabfälle. Bis zur Freigabe durch die Staatsanwaltschaft am 5. Juni waren die Leichen fünf Tage lang so verwahrt worden. Nach Angaben der Präfektur hat es nicht genügend Kühlschränke gegeben, um die Toten angemessen zu verwahren.

Vergangene Woche hatte ASP die Verantwortung dafür noch der Präfektur in der Provinzhauptstadt Siracusa zugeschoben. Doch die hat sich offenbar gewehrt und der Klinikgesellschaft Druck gemacht.

„Solche Vorfälle können nicht toleriert werden“, meint Krankenhausgesellschaftschef Salva Brugaletta mittlerweile. Es seien „alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Würde der Leichname von Menschen jeder Nationalität und ethnischer Herkunft zu gewährleisten“. Er bedauere, dass der „Einzelfall die großen Anstrengungen beschädigt“, die das Gesundheitswesen der Region Sizilien unternehme.

Die Landungen Zehntausender Migranten in der Provinz haben eine „absolute Ressourcenknappheit“ zur Folge, gleichwohl zeige die „gesamte Region ein Gefühl der Menschlichkeit und der Solidarität gegenüber den Migranten“ so ASP-Chef Brugaletta.

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