: Flucht aus dem Dschungel
■ Hohe Kader der Roten Khmer sollen in Thailand leben
Bangkok (taz) – Hohe Kader der kambodschanischen Roten Khmer, die bislang auf der Seite von Pol Pot standen, sollen nach Thailand geflohen sein. Wenn die Berichte über die Flucht des ehemaligen Verteidigungsministers der Pol-Pot-Regierung von 1975 bis 79, Son Sen, und dem engen Vertrauten des Roten-Khmer- Chefs, Nuon Chea, stimmen, dann ist die Organisation am Ende.
Kambodschas Premierminister Hun Sen sagte gestern, er und sein Amtskollege Ranariddh hätten einen Brief nach Bangkok mit der Bitte um Auslieferung der Geflüchteten gesandt. Das thailändische Militär, das für die Grenzregion zuständig ist, bestritt allerdings, daß die Roten Khmer herübergekommen seien „weil sie sonst geschnappt worden wären“.
Nachdem Ieng Sary, der ehemalige Außenminister Pol Pots, und zwei wichtige Militärkommandanten im August ihren Bruch mit der Führung der Roten Khmer erklärten, hat die kambodschanische Regierung mit Drohungen und Anreizen versucht, weitere Kader zum Absprung zu locken. Pol Pot soll sich noch in seinem Stützpunkt Anlong Veng im Norden Kambodschas befinden – wenn er noch lebt, wie Rote Khmer-Mitglieder immer noch behaupten.
Daß Nuon Chea und Son Sen nach Thailand geflohen sein sollen, ist nicht abwegig: Die Bangkok Post berichtet von einem Dorf im thailändischen Grenzdistrikt Trat, wo Rote Khmer schon vor acht oder neun Jahren Land und Häuser gekauft hätten. Auch wenn die Bangkoker Regierung es offiziell nicht zugab, sollen Rote Khmer häufig Zuflucht in Thailand gefunden haben, wo einflußreiche Geschäftspartner sitzen. Jutta Lietsch
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