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First Lady der USA zu EpsteinWill sie den Enthüllungen zuvorkommen?

Melania Trump hat jegliche engere Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurückgewiesen. Doch warum äußert sie sich ausgerechnet jetzt?

Melania Trump: fünfminütige Stellungnahme im Weißen Haus Foto: Jacquelyn Martin/ap
Fabian Schroer

Aus Berlin

Fabian Schroer

Der Zeitpunkt wirkt ungünstig. Über die Epstein-Affäre begann Gras zu wachsen, und die Weltöffentlichkeit ist beschäftigt mit der Waffenruhe zwischen den USA und Iran. Trotzdem entschied sich First Lady Melania Trump am Donnerstagabend dazu, eine Rede zu ihrer Rolle in Bezug auf den verstorbenen Sexualstraftäter zu halten.

„Die Lügen, die mich mit dem schändlichen Jeffrey Epstein in Verbindung bringen, müssen heute aufhören“, erklärte die 55-Jährige in einer fünfminütigen Stellungnahme im Weißen Haus. Sie habe „niemals Beziehungen zu Epstein oder seiner Komplizin Maxwell“ gehabt und sei nicht mit ihnen befreundet gewesen. Ihr Ehemann und sie hätten in New York City und Palm Beach lediglich den gleichen Kreisen angehört und wären gelegentlich zu denselben Partys eingeladen worden. Fragen von Jour­na­lis­t:in­nen beantwortete die First Lady nicht.

Ihren Mailverkehr aus den 2000er Jahren mit Epsteins Vertrauter Ghislaine Maxwell, die wegen ihrer Beteiligung an dessen Sexhandelsring derzeit eine 20-jährige Gefängnisstrafe absitzt, könne man nur als „flüchtige Korrespondenz“ bezeichnen. Von den Verbrechen der beiden habe sie damals nichts gewusst. Melania Trump fügte hinzu, sie sei ebenfalls nicht „Epsteins Opfer“ gewesen. Er habe sie auch nicht ihrem jetzigen Ehemann vorgestellt. Diese verbreitete Spekulation geht auf den Journalisten Michael Wolff zurück.

Melania Trump kündigte außerdem an, rechtlich gegen diejenigen vorzugehen, die diese „Lügen“ über sie verbreiteten. Zuvor hatte sie bereits mehrfach mit Klagen gedroht, unter anderem gegenüber Hunter Biden, dem Sohn des ehemaligen Präsidenten Joe Biden. Diesen wollte sie auf eine Milliarde Dollar verklagen, sollte er seine Aussage, Epstein habe ihr Donald Trump vorgestellt, nicht zurücknehmen. Bislang wurde allerdings keine Klage eingereicht.

„Für uns kam das aus heiterem Himmel“

Die Darstellungen der First Lady wirken unter anderem aufgrund von bekanntem vertraut wirkendem E-Mailverkehr zwischen Donald Trump und Jeffrey Epstein sowie gemeinsamer Fotos mit Melania und Ghislaine Maxwell nur bedingt glaubwürdig. Die bisher veröffentlichten Akten belegen unter anderem, dass Donald Trump in den 1990ern in Epsteins Flugzeug mitflog und früher von dessen Straftaten wusste, als er zuvor zugegeben hatte.

In den sozialen Netzwerken kursieren Spekulationen, die First Lady habe mit ihrer Rede bevorstehenden Enthüllungen zuvorkommen wollen. Nicht nur im Netz wirft der Zeitpunkt von Melania Trumps Stellungnahme Fragen auf. So sagte die Fox-News-Korrespondentin Jacqui Heinrich im TV-Programm des Trump-nahen Senders: „Für uns kam das ziemlich aus heiterem Himmel.“

Sie fügte hinzu, ihre Kol­le­g:in­nen versuchten noch immer herauszufinden, „ob sie auf etwas reagiert, das vielleicht schon in den Nachrichten ist und sie verärgert hat, oder ob es eine Geschichte gibt, die noch nicht veröffentlicht wurde“. Heinrich sagte: „Ich habe jeden Kontakt in meinem Telefon angerufen, einschließlich des Präsidenten, und keine Antworten bekommen.“

Ob Donald Trump vorher informiert war, bleibt derweil unklar. Ein nicht namentlich genannter Sprecher der First Lady erklärte gegenüber der New York Times, es sei zumindest nicht bekannt, ob der Präsident zuvor über den Inhalt der Rede Bescheid wusste.

Der iranischen Propaganda in die Karten gespielt?

Die Äußerungen kommen in einer Zeit, in der Donald und Melania Trumps Verstrickungen in den Epstein-Fall nicht mehr im Fokus der Aufmerksamkeit standen – was nun zumindest für den Moment vorbei sein sollte. Zugleich kann der Präsident schlechte Presse gerade wenig gebrauchen, steht er doch wegen seines unpopulären Vorgehens im Irankrieg in der Kritik.

Ein Bluesky-Nutzer fragte daher mit Verweis auf die Verhandlungen ironisch: „War Melanias Rede eine der Forderungen Irans?“ Die Epstein-Files waren zuletzt vermehrt Inhalt proiranischer Propaganda im Netz. Zuletzt hatten von dem iranischen Regime nahestehenden Influencern erstellte KI-Musikvideos im Stil der Lego-Kinofilme die Runde gemacht. Darin werden die USA als Epstein-Regime bezeichnet.

Jeffrey Epstein, ehemals Investmentbanker und Finanzier aus New York City, hatte über Jahre einen internationalen Missbrauchsring betrieben. Unter anderem führte er einflussreichen Männern aus Politik und Wirtschaft Frauen zur Prostitution und Vergewaltigung zu – darunter auch Minderjährige. 2019 war er in Untersuchungshaft verstorben, offiziell durch Selbstmord. Bis heute kursieren Spekulationen darüber, ob er einem Mordanschlag zum Opfer fiel.

Seit Anfang 2025 veröffentlicht das US-Justizministerium immer wieder Pakete mit Epstein-Akten. Zuletzt hatten diese weltweit Rücktritte in Politik, Kultur und Wirtschaft sowie Distanzierungen seitens Prominenter zur Folge. Vereinzelt wurden außerhalb der USA Ermittlungen eingeleitet. Donald und Melania Trump werden in den Akten mehrfach genannt. Konkrete Beweise für Straftaten des Präsidenten wurden bisher keine gefunden. Nach wie vor bleiben weite Passagen geschwärzt, offiziell sollen damit Opfer geschützt werden.

Melania Trump beendete ihre Rede am Donnerstag mit einem Aufruf an den Kongress. Allen Opfern Epsteins solle die Möglichkeit gegeben werden, öffentlich über die Verbrechen zu sprechen, wenn sie das wünschten.

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1 Kommentar

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  • "Fragen von Jour­na­lis­t:in­nen beantwortete die First Lady nicht."

    Schlecht vorbereitet,



    "Ich wollte ihn retten" hat nicht geklappt, mmmmpf.