Finanzexpertin zu Aramcos Börsengang: „Ein gruseliges Weihnachtsgeschenk“

Der Ölkonzern hat den größten Börsengang aller Zeiten hingelegt. Das Geschäftsmodell ist klimaschädlich, findet Regine Richter von Urgewald.

Aramco-Chefs präsentieren die Börsenpläne in Dhahran, Saudi-Arabien

Aramco Raffinerie Anlage Ras Tanura Foto: Ahmed Jadallah/reuters

taz: Der Erdölkonzern Saudi Aramco hat im letzten Jahr einen Gewinn von 111,1 Milliarden US-Dollar eingefahren Jetzt geht er an die Börse. Wäre eine Aktie nicht ein schönes Weihnachtsgeschenk?

Regine Richter: Die Aktie kann man direkt zum dicken SUV legen, den man sich zu Weihnachten wünscht. Aus Klimasicht wäre das ein gruseliges Geschenk.

Expertin für Banken bei Urgewald

Saudi-Aramco soll der größte Börsengang aller Zeiten werden. Macht die Finanzwirtschaft trotz Klimastreik und UN-Klimakonferenz einfach klimaschädlich wie bisher weiter?

Saudi-Arabien hat sich auf der Klimakonferenz noch nie positiv hervorgetan. Deshalb ist das nicht überraschend. Mit Saudi Aramco zeigt Saudi-Arabien: Klima ist uns egal, wir verkaufen so viel Erdöl, wie wir können. Fairerweise muss man dazusagen, dass die saudische Regierung zumindest gesagt hat, das Geld aus dem Börsengang für den grünen Umbau des Landes zu nutzen. Aber gleichzeitig ist Saudi Aramco kein Unternehmen, das klimafreundlich umgestellt werden soll. Das Versprechen für einen hohen Aktienwert ist natürlich: Wir verkaufen weiter auf Jahrzehnte Öl und verdienen uns damit dumm und dusselig. Das Klima ist da komplett egal.

Aber es muss auch Anleger geben, die die Aktien kaufen.

Vor allem Banken aus den USA unterstützen den Börsengang. Im September wurde berichtet, dass auch die Deutsche Bank in der zweiten Reihe dabei sein soll. Das wäre ein krasser Gegensatz, zu dem, was der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing auf der Hauptversammlung gesagt hat. Da kündigte die Bank an, ihre fossilen Geschäfte reduzieren. Die halbgute Nachricht ist, dass sich die Saudis höhere Erlöse aus dem Börsengang versprochen haben. Von ihren höchsten Gewinnerwartungen mussten sie abweichen.

Ist das der Grund dafür, dass Saudi-Arabien die Aktien stark im eigenen Land bewirbt?

Da ist natürlich viel Geld vorhanden, aber nicht unbedingt ein großes Problembewusstsein beim Klimaschutz. Ich denke, damit wollen sie auch den nationalen Stolz ansprechen. Es ist die Geschichte, dass ein nationales Unternehmen an die Börse geht, aber noch in nationaler Hand bleibt. So müssen sie weniger große Investoren ansprechen. Viele haben inzwischen Regeln im fossilen und ethischen Bereich.

Das heißt, es wird schwieriger, mit Öl Geld zu verdienen?

Ich würde sagen: Im ganzen Finanz- und Anlegerbereich gibt es viele, die sich Gedanken machen. Auch getrieben von der Frage, inwieweit solche Anlagen zu Risiken werden. Anleger wollen nicht auf Investitionsruinen sitzen bleiben. Die schwedische Reichsbank hat kürzlich angekündigt, keine Anleihen mehr von Staaten mit großer fossiler Energiebranche zu kaufen. Insgesamt passiert deutlich mehr als nur auf Regierungsebene.

Das klingt so, also ob Organisationen wie Urgewald ihre Füße hochlegen könnten.

Es gibt Initiativen, die in die richtige Richtung gehen. Aber wenn ich mir die Größe des Problems anschaue, bleibt da noch sehr viel zu tun. US-amerikanische Banken haben immer noch kein Problem dabei, Saudi-Aramco zu unterstützen. Viel passiert zwar gerade im Kohlebereich. Aber bei Öl und Erdgas wird es noch schwieriger, weil da mehr Geld im Umlauf ist.

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Die Erderwärmung bedroht uns alle. Die taz berichtet daher noch intensiver über die Klimakrise. Alle Texte zum Thema finden Sie unter taz.de/klimawandel.

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