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Film „Bucking Fastard“ von Werner HerzogWas für ein merdammter Vistkerl

Regisseur Werner Herzog bekommt Genugtuung in Venedig mit seinem jüngsten Streich, „Bucking Fastard“. Kate und Rooney Mara brillieren darin als Schwestern.

Wie der jüngste Film von Werner Herzog ist, hätte die Welt schon im Mai wissen können. Da war der Regisseur mit „Bucking Fastard“ zu den Filmfestspielen von Cannes eingeladen. Doch weil sein Opus nicht im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurriert hätte, sondern in einer anderen Reihe des Festivals gelaufen wäre, ohne Aussicht auf den Hauptpreis, wollte Herzog auf einmal nicht mehr. Er zog den Film zurück.

Dafür hat Venedig dann zugeschlagen, wunschgemäß im Wettbewerbsprogramm, sodass Herzog sich jetzt zumindest Hoffnungen auf den Goldenen Löwen machen kann. Ob es am Ende dazu kommen wird, lässt sich nach einem Festivaltag noch nicht mit Bestimmtheit sagen, aber Freunde des seltsamen Films kommen bei „Bucking Fastard“ mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ihre Kosten.

Die Prämisse des Films, der überwiegend im ländlichen Irland spielt, mutet dabei schon einmal schrullig genug an: Zwei Schwestern, Jean und Joan Holbrooke, wirken äußerlich wie Zwillinge und verhalten sich so, als wären sie eine Person. Sie sprechen fast die ganze Zeit unisono, kleiden sich identisch, verrichten oft die gleiche Tätigkeit in Personalunion. Oder versuchen es wenigstens. Beim Sardinenbüchsenöffnen stoßen sie mit ihrer engen Verbundenheit durchaus an Grenzen.

Vor allem aber verlieben sie sich in denselben Mann. Ihren Nachbarn, gespielt von Orlando Bloom. Als der plötzlich eine andere Frau heiratet, verfallen sie in liebestolle Rachsucht, die vor Gericht endet. Der Film beginnt denn auch in einem Verhandlungssaal.

Toleranz für Quatsch

Was beknackt klingen mag, ist dies auch in Teilen. Bloß wie die im echten Leben verschwisterten Schauspielerinnen Kate und Rooney Mara ihren Part als Quasi-Minichor meistern, macht den Film allein schon sehenswert und immer wieder schreiend komisch. Toleranz für Quatsch sollte man mitbringen, reiner Quatsch bleibt die Angelegenheit ohnehin nicht.

Die Schwierigkeiten, die Jean und Joan im Alltag haben, führen sie aus ihrem Heimatort zunächst in die Stadt, wo sie neue Hindernisse erwarten. Spanner zum Beispiel, die sie durchs Fenster fotografieren und die Bilder online posten. Was für die Schwestern, die gar kein Internet haben, da sie in einer Art abgeschiedenen Parallelwelt leben, erst einmal schwer verständlich ist.

Herzog filmt oft im Weitwinkel, lässt dabei vor allem die Männer, die sich ihnen ganz räumlich in den Weg stellen, als unkalkulierbare Gefahren erscheinen. Jedoch sind die Schwestern ihnen keinesfalls schutzlos ausgeliefert. Sie wissen sich bestens zu helfen und mit einiger Verschlagenheit zu verteidigen. Kate und Rooney Mara spielen diese zwei Entrückten mit kindlicher Unschuld, in deren Lächeln aber stets etwas Dämonisches hineinspielt. Herzog hat den Film immerhin David Lynch gewidmet, da kann ein wenig Abgründiges nicht schaden.

In der Weite der irischen Landschaft finden die Schwestern auch ihre symbolische Bestimmung. Zu viel verraten sei an dieser Stelle nicht, aber Herzog, der schon einmal einen Film über eine Höhle gedreht hat, landet mit seinen Protagonistinnen irgendwann tief im Berg. Wer übersichtliche und plausible Handlungen bevorzugt, dürfte kaum auf seine Kosten kommen. Doch Herzog hat immer schon das gemacht, was ihm so eingefallen und in den Sinn gekommen ist. Nach Goldenen Löwen für Altmeister wie Pedro Almodóvar und Jim Jarmusch wäre eine solche Ehrung für den fast 84-jährigen Werner Herzog im Sinne eines Preises für sein Lebenswerk in Venedig allemal konsequent.

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