Kubas ehemaliger Staatspräsident. 13. August 1926 – 25. November 2016: Fidel Castro
Von Jean-Paul Sartre
Castro hat mir einmal gesagt, dass er Revolutionär aus Berufung sei, und als ich ihn fragte, was er darunter verstehe, sagte er: „Weil ich die Ungerechtigkeit nicht ertragen kann.“ Er gab mir Beispiele, die er aus seiner Kindheit und aus seiner Jugend schöpfte. (...) Was mir an dieser Antwort gefiel, war, dass dieser Mann, der sich für ein ganzes Volk geschlagen hatte (...), mich zunächst mit seiner persönlichen Empörung, mit seinem privaten Leben bekannt machte. Er habe sich nie etwas gefallen lassen, sagte er mir. Er habe Streich um Streich zurückgegeben, und zwar so, dass man ihn beinahe von der Schule gejagt hatte. Ich stellte ihn mir mit 15 Jahren vor, ein kleiner Streithans, ein kleiner Rowdy, unbezähmbar und sicher verloren. Dieser Sohn eines Zuckerrohrfarmers, Internatsschüler in Santiago, verbrachte seine Ferien auf „Manacas“, dem Besitz seines Vaters. (...) Fidel hoffte damals, durch die Wissenschaft aus der Verlegenheit zu entrinnen. Sie sollte ihm ihre Fackeln leihen. (...) Dann würde er das Vipernnest in seinem Innern ausrotten können, die dunkle Gewalttätigkeit, an der er erstickte. Er zog nach Havanna, er studierte und wurde enttäuscht. Er lernte, dass Worte leer sind. Die Professoren redeten vor jungen Leuten, die sich um die Zukunft sorgten. Aber sie sagten in Wirklichkeit nichts. (...)
Damals, so scheint mir, war es, dass er seinen tiefsten Gedanken, die unleugbare Quelle all seiner späteren Taten, aussprach: Wie wichtig auch die objektiven Verhältnisse des Lebens sein mögen – die Übel, von denen die Menschen heimgesucht werden, kommen von nirgendwo anders her als von anderen Menschen.
Jean-Paul Sartre, französischer, 1980 verstorbener Philosoph, reiste 1960 mit seiner Lebensgefährtin Simone de Beauvoir durch Kuba. Sie fuhren dort mit Fidel Castro durchs Land
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