Facebook-Anwendung "Places Deals": Belohnte Bewegungsprofile
Die jüngste Werbe-Idee von Facebook erreicht Deutschland. Wer sich künftig an bestimmten Orten anmeldet, kann Rabatte abstauben, gibt aber mehr Daten an Facebook.
Facebook hat seinen Rabatt- und Marketingdienst "Places Deals" am Montag auch in Deutschland gestartet. Die Idee der neuen Werbeform, die es bislang nur in den USA gab: Nutzer sollen über Rabatte und andere Angebote in die Läden und Einrichtungen von zahlreichen Partnerfirmen gelockt werden.
Dass die Mitglieder auch wirklich vor Ort waren, kann Facebook ganz genau über den eigenen Ortsdienst "Places" überprüfen. User melden sich, um mitmachen zu können, über ihr Smartphone bei Facebook über das Tool "Check-in" an. Das wiederum lässt Facebooks Datensammlung anschwellen, die sich auch anderweitig zu Geld machen lassen könnte, etwa zu Marktforschungszwecken.
Immerhin sieben mehr oder weniger bekannte Partner konnte Facebook für den Deutschlandstart von "Places Deals" verpflichten. Nicht jeder liefert den Nutzern dabei Rabatte. Einige versuchen, mit Charity-Aktionen Facebook-Mitglieder in ihre Läden zu locken. So erhält man bei der Kleiderkette Benetton "nur" die Möglichkeit, pro Check-in zwei Euro an ein Technikprojekt in Kenia spenden zu lassen, während Konkurrent Esprit pro Anmeldung immerhin fünf Euro an die SOS-Kinderdörfer gibt.
Bei der Großkinokette Cinemaxx erhalten die ersten 10.000 Nutzer eine Tüte Popcorn, bei der Parfümerie Douglas gibt's ein Parfüm oder 15 Prozent Rabatt auf den ersten Einkauf. Die Computerkette Gravis verschenkt 10.000 etwas angestaubte Spiele ("Die Sims 3") und beim Fast-Food-Italiener Vapiano gibt es ein "Freundschaftsangebot" mit Zusatzfutter und Prosecco, falls ganze vier Nutzer gleichzeitig mitmachen.
Dass das Einchecken für die Nutzer auch Ausgaben bedeuten kann, zeigt indes Partner Nummer sieben, der geschäftstüchtige FC Bayern: Der verschenkt nur an diejenigen Facebook-Nutzer "Tausend Gratis-Fanschals", die sich auch eine Karte für ein Heimspiel gegen Hoffenheim am 12. Februar besorgt haben.
Noch ist "Places" samt "Deals"-Rabatten kein Automatismus: Die Nutzer müssen sich mit ihrem Handy und der Facebook-Anwendung oder alternativ einem mobilen Browser von Hand anmelden, um "eingecheckt" zu sein. Vorausgewählt wird die aktuelle Position per eingebautem Satellitennavigationschip, dessen Selektion dann nur noch bestätigt werden muss. Wenn Facebook dies wollte, könnte er den Vorgang aber noch deutlich vereinfachen und die Nutzer bei laufendem Gerät einfach ständig an irgendwelchen Orten anmelden - entsprechende Software gibt es längst für iPhone und Android.
Geplant ist das aber bislang (noch) nicht. Die Technik könnte in den kommenden Versionen aber mindestens leichter bedienbar werden - und potenziell gruseliger: Firmen könnten, so deutete es Facebook einmal an, als Partner des Konzerns Nachrichten aufs Handy schicken, sobald ein Nutzer sich an einem Ort eincheckt. Das wäre die ultimative ortsbezogene Werbung, die für Facebook offenbar ein sehr großer Zukunftsmarkt werden soll.
Erste Datenschutzprobleme bei "Places" gab es bereits. Nach dem Start in den USA war es möglich, dass ein Nutzer seine Freunde teilweise ohne deren Einverständnis am aktuellen Ort "einchecken" konnte. Dann tauchte im "Newsfeed" die Nachricht auf, dass Person X mit Person Y und Z an einem Ort war - was eventuell nicht bekanntgegeben werden sollte.
Das Missbrauchspotenzial des Problems wurde von Facebook allerdings als gering eingeschätzt. Die Nutzer könnten ja selbst detailliert festlegen, wer ihren Aufenthaltsort sehen könne und wer nicht, hieß es damals. Zudem sei nicht jedes Mitglied automatisch bei "Places" vertreten und nur Freunde des Nutzers würden dessen Position auch wirklich sehen.
Dass viele Facebook-Nutzer dazu neigen, mehr "Freunde" zu haben, als vernünftig ist, wurde dabei allerdings geflissentlich ignoriert. Immerhin bietet Facebook mittlerweile die Möglichkeit, Freunde einfacher in Gruppen zu unterteilen.
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