FLUGHAFEN SCHÖNEFELD: Was im Fluglärm untergeht

Bürgernähe ist in letzter Zeit schwer angesagt, und darum schlagen sich Politiker aller Parteien lautstark auf die Seite der Fluglärmgeplagten. Leider versteht man sie bei all dem Krach nicht so gut. Die taz hat ihr Ohr ganz nah an den Mächtigen und erklärt, was sie sagen wollen

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer weiß genau, wo es langgeht - bei Geisterfahrern auf der Autobahn genauso wie beim Flughafen Berlin-Brandenburg International. Bild: dapd

Der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagt: "Der Flughafen muss ernsthaft darüber nachdenken, ob und inwieweit gleichzeitige, parallele Starts überhaupt notwendig sind"

Was Ramsauer wirklich meint: Natürlich hat der Flughafen das längst geprüft. Und selbstverständlich weiß ich, dass ohne Parallelstarts vom Großflughafen künftig weniger Flieger pro Stunde aus Berlin abheben können als heute von Schönefeld und Tegel. Aber diese Berliner wolln ja fei scho glei goanix von mia. Koa Schloss, koa Autobahn ned. Da kriangs halt aa koan Flughafen ned. Und wer abheben will, macht das halt weiter beim Franz-Josef-Strauß-Flughafen in Minga.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast meint: "Als Erstes muss man öffentlich die Debatte führen: Was für ein Flughafen soll es eigentlich sein? Einer, der uns mit Europa verbindet oder mit der ganzen Welt?"

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat die Planungen für den künftigen Hauptstadtflughafen infrage gestellt. Es müsse gefragt werden, ob parallele Starts notwendig sind, sagte Ramsauer am Mittwoch in Bild. Wegen dieser Parallelstarts von den beiden Pisten in Schönefeld will die Deutsche Flugsicherung die Routen startender Maschinen näher an Berlin heranführen, was seit Wochen zu Protesten führt.

Der Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die Parallelstarts hingegen unverzichtbar. "Wir wollen, dass dieser Flughafen wächst", so Wowereit. Die Flugsicherung solle dokumentieren, wie sehr zwölf zur Debatte stehende Alternativrouten die Bürger belasten.

Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast rückte ihre Forderung nach einer neuen BBI-Grundsatzdebatte unterdessen zurecht. Sie stelle weder den Flughafen noch die geplanten Langstreckenflüge infrage, sagte Künast. (dpa)

Was Künast wirklich meint: Am liebsten hätte ich ja wieder mal was zu BSE gesagt. Aber beim Flughafen kann man sich auch als Supergrüne profilieren. Außerdem hab ich ja nur gemeint, dass man mal die Frage stellen muss. Wie die Antwort aussieht, ist doch klar: Alles wird gebaut wie geplant. Weil das alles längst geregelt ist. Weil das mein Koalitionspartner im Herbst 2011 noch mal durchsetzen darf. Und weil ich ihm dann sämtliche Schuld für den Lärm in die Schuhe schieben kann.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagt: "Es geht darum als Konsens, dass so wenig Lärmbelästigung für die Bürger erreicht wird wie möglich. Deshalb ist Ihr Protest auch so wichtig. Sie unterstützen auch unsere Position damit."

Was Wowereit wirklich meint: Unsere Position ist klar: Wir wollen, dass der Flughafen expandiert, dass er ein wirtschaftlicher Erfolg wird, dass er Berlin auch weltweit besser anbindet. Die Lärmbelästigung wird also zunehmen. Das aber so wenig wie möglich. Hier bin ich vor allem, weil es bei Demos immer um Stimmung geht. Und daraus werden schnell Stimmen bei einer Wahl. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Der Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) sagt: "Wer die aktuelle Flugroutendiskussion nutzt, um Sinn und Zweck von BBI infrage zu stellen, treibt ein verantwortungsloses Spiel mit den Sorgen der Menschen."

Was Wolf wirklich meint: Diese grün-schwarz-roten Populisten gehen mir auf den Senkel. Der einzige verantwortungsvolle Politiker weit und breit bin ich. Ich setze verantwortungsvoll die Flughafenausbau-Beschlüsse von CDU und SPD um. Ich denke verantwortungsvoll an die Sorgen der Berliner Wirtschaftsunternehmen. Ich sorge mich um die Zukunft der Stadt, meiner Partei und ihrer Wähler. Warum muss eigentlich ausgerechnet ich diesen Job haben?

Der FDP-Abgeordnete Klaus-Peter von Lüdecke sagt: "In der aktuellen Debatte muss es prioritär darum gehen, die Flugrouten zum Wohl der Bürger zu optimieren."

Was von Lüdecke wirklich meint: Erstens: Wir sind auch noch da. Nur dass das keiner vergisst. Die FDP ist eine wichtige Partei. Wir werden zwar gern überhört. Und in Umfragen sieht es auch ganz mies aus, aber wir haben echt was zu sagen. Die besten Flugrouten zum Wohl der Bürger führen selbstverständlich immer über den kürzesten Weg zum Ziel. Wenn der direkt über Wohnhäuser von SPD-, CDU-, Grün- oder Linkswählern führt, ist das unserer Klientel egal. Wer will, darf aber wegziehen, auch wenn er nicht FDP wählt. Da sind wir ganz liberal.

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