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Ex-Verkehrsminister wird BeraterWissing geht den Politik-Wirtschafts-Kreislauf

Der Ex-Verkehrsminister wechselt zu einer Beratungsfirma. Die gehört einem ehemaligen Parteikollegen mit erstaunlichen Parallelen in der Vita.

Ein neuer Morgen für Volker- gemäß den Traditionen der Politik geht er in die Wirtschaft Foto: Andreas Arnold/dpa

Berlin taz | Volker Wissing hat einen neuen Job. Nachdem der ehemalige Richter, Anwalt und Organist sich schon als Verkehrsminister verdingen und dann auch noch in das Amt des Justizministers hineinschnuppern durfte, geht es jetzt in die Wirtschaft. Für die Beratungsfirma Christ Capital soll Wissing zukünftig einem Beirat vorsitzen, der die Unternehmensgruppe berät.

Dort ist der aus der „offenen Feldschlacht“ desertierte Ex-FDP-Politiker unter Gleichgesinnten: Denn auch Harald Christ, Gründer und Geschäftsführer der Beratungsfirma, gehört zu jenen FDP-Mitgliedern, die nach dem Scheitern der Ampel sowie dem Sticheln und Sabotieren der Liberalen ihre Konsequenzen gezogen haben und aus der Partei ausgetreten sind. Darüber hinaus leitet Christ eine Stiftung, die Minderheiten in Kultur und Medien fördert. Auf der Website der Firma lobt Wissing seinen Parteiaustrittsfreund: „Ich schätze Harald Christ als Menschen und als Unternehmer. Sein Handeln ist werteorientiert und nachhaltig.“

Nicht weniger interessant wird die Melange dadurch, dass auch noch die Beratungsfirma des ehemaligen grünen Außenministers, Joschka Fischer & Company, Teil der Unternehmensgruppe Christ Group ist. Fischers Firma hat sich auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisiert, darunter „Kreislaufwirtschaft“. Dieses Prinzip wird scheinbar von einigen Beteiligten der Christ Group gelebt, insbesondere durch die effiziente Zweitverwertung politischer Kontakte für wirtschaftliche Interessen.

Vielfältige Folgekarrieren

Auch Wissings ehemalige Minister-Kolleg*innen der Grünen orientieren sich daran. Wobei möglicherweise andere Interessen im Vordergrund stehen: Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck zieht es in die Wissenschaft. In seinem furiosen Abschied in der taz erklärte er, er wolle unter anderem in Kopenhagen und Berkeley „forschen, lehren und lernen“. Ex-Außenministerin Annalena Baerbock dagegen bleibt in der Politik und leitet zukünftig als Präsidentin der UN-Generalversammlung die Sitzungen des Weltparlaments.

Die Bundesregierung muss Wissings neuer Stelle noch zustimmen. Während einer Karenzzeit von 18 Monaten kann sie Ex-Mi­nis­te­r*in­nen Tätigkeiten untersagen, wenn dadurch öffentliche Interessen beeinträchtigt werden.

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