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Europas Wegducken im Syrienkonflikt Erdoğan-Kritik kommt immer gut

Jürgen Gottschlich

Kommentar von

Jürgen Gottschlich

Alle reden von den Flüchtlingen, die nicht kommen sollen, aber niemand redet über eine politische Lösung in Syrien. Das ist wohlfeil.

G laubt man den Einlassungen europäischer Politiker und auch vieler westlicher Medien, ist dies eine neue Teufelei des türkischen Präsidenten: Sollte es eine neue Flüchtlingswelle aus Syrien in die Türkei geben, „wird auch Europa davon nicht verschont werden“, hatte Recep Tayyip Erdoğan gesagt. Die Türkei könne diese Last nicht mehr allein schultern. Vor allem Griechenland wäre davon betroffen.

Erdoğan instrumentalisiere Flüchtlinge für seine Politik, er wolle Europa mit dem Elend der syrischen Flüchtlinge unter Druck setzen, heißt es jetzt. Insbesondere in Griechenland glauben viele, Erdoğan wolle Athen im Streit um die Ausbeutung der Gas- und Ölvorkommen rund um Zypern mit der Androhung neuer „Flüchtlingsströme“ erpressen.

Dabei wird unterschlagen, dass das Problem real ist. In der Türkei leben bereits an die vier Millionen Flüchtlinge, in der syrischen Rebellenprovinz Idlib laufen Hunderttausende Menschen um ihr Leben, um dem Bombenhagel russischer Flugzeuge und den Fassbomben des Assad-Regimes zu entgehen. Was soll mit diesen Menschen, die nun alle in Richtung türkischer Grenze drängen, geschehen?

Europa möchte stillschweigend auch noch die letzten Opfer des Syrienkrieges bei Erdoğan abladen – das sei doch die humanitäre Pflicht der Türkei. Alle reden von den Flüchtlingen, die nicht kommen sollen, aber niemand redet über eine politische Lösung in Syrien.

Es braucht eine politische Lösung

Seit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Vorschlag einer europäischen Truppe zum Schutz einer Sicherheitszone in den Sand gesetzt hat, herrscht Schweigen im Walde. Während Syriens Dikator Baschar al-Assad und der russische Präsident Wladimir Putin in Idlib für neue Realitäten sorgen, kommt aus dem Westen nichts mehr. Stattdessen müsste man an einer politischen Lösung arbeiten, und zwar gemeinsam mit Putin und indirekt auch mit Assad.

Erdoğan-Bashing kommt in Deutschland immer gut, doch in diesem Fall ist es wohlfeil und hat mit der Realität nichts zu tun.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jürgen Gottschlich

Jürgen Gottschlich Auslandskorrespondent Türkei

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3 Kommentare

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  • nzuli sana

    Das Assad-Regime ist faschistisch und hat viel mehr Tote auf dem Konto, weil niemand den Aufstand unterstützt hat und niemand geholfen hat das Regime zu stürzen.



    Deshalb wirft das Mafiaregime jetzt noch weitere Teile der Bevölkerung raus. Wo sollen die Leute hin?



    Sollen sie sich in Luft auflösen? nur weil die dummen Europäer glauben das seien alles böse Islamisten.



    Freiheit und Glück für alle!

  • Khaled Chaabouté

    […] in der syrischen Rebellenprovinz Idlib laufen Hunderttausende Menschen um ihr Leben, um dem Bombenhagel russischer Flugzeuge und den Fassbomben des Assad-Regimes zu entgehen. […]

    Braucht man noch weiterzulesen?

  • JesseGee

    Erdogan Kritik kommt immer gut weil sie auch vollkommen berechtigt ist. Natürlich sollte man seine Augen nicht verschließen vor der Verantwortung die auch Europa trägt, was ja leider getan wird...



    Trotzdem ist und bleibt Erdogan zu 100% ein Faschist. DAS sollte auch nicht vergessen werden.