: Es quietscht jenseits des Sweet Spots
Wenige Autorinnen und Autoren bekommen immer höhere Vorschüsse für Buchverträge – die breite Masse anspruchsvoller Literatur geht leer aus. Das liegt auch am Verhalten der Verlage
Von Dirk Knipphals
Es knirscht im Literaturbetrieb. Natürlich seit jeher und immer schon. Gegenwärtig aber besonders durchdringend, nachdem aus Anlass einer Podiumsdiskussion auf der re:publica vielen Menschen klargeworden ist, wie ungleich von den Buchverlagen Vorschüsse an Autor*innen gezahlt werden. Manche kriegen sechsstellig, viele nur vierstellig, viele andere gar nichts. Das ist so. Marie Schmidt hat nun in einem gründlichen Text in der SZ darauf hingewiesen, dass es, entgegen dem ersten Anschein, nicht recht passt, diese Ungleichverteilung auf ein Mann/Frau-Schema hochzurechnen. Vielmehr ist es so, dass deutsche Verlage derzeit ein bisschen durchdrehen.
Sie überbieten sich gegenseitig im sogenannten Sweet Spot – das sind die Bücher, die noch als hochklassige Literatur vermarktet werden können und gleichzeitig als Unterhaltungsstoffe eine hohe Verkaufbarkeit versprechen. Das treibt die Vorschüsse in die Höhe – aber eben nur für wenige Bücher. Für das breite Angebot bleibt weniger Geld. Dass Bestseller anspruchsvolle, aber auch sperrigere Titel querfinanzieren würden, ist – von Ausnahmen abgesehen – nur noch eine vage Erinnerung an andere Zeiten.
Es ist halt ein von kapitalistischer Aufmerksamkeitsökonomie getriebener Markt. Ein Stück weit verrennen sich die Verlage auch in ihre eigenen Systemlogiken. Festzuhalten ist, dass viele Verlage sich weiterhin redlich mühen, ein breites Angebot anzubieten, das nicht nur auf Verkaufbarkeit zielt, aber dass das ganze System in den Angeln quietscht. Und das bei einem Kulturstaatsminister, mit dem ein Nachdenken über eine strukturelle Verlagsförderung vom Tisch ist, weil man bei ihm politische Übergriffigkeit befürchten muss.
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