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Ernährungsexperten üben KritikUS-Regierung empfiehlt rotes Fleisch

Was ist gesunde Ernährung? Die neuen Richtlinien der USA widersprechen teils dem wissenschaftlichen Sachstand.

Nicht nur weniger Zucker empfiehlt die US-Regierung, um sich gesund zu ernähren – sondern auch mehr Fleisch als bisher Foto: Oliver Berg/dpa

afp | Rotes Fleisch für mehr Gesundheit: Die US-Regierung hat am Mittwoch neue Ernährungsrichtlinien veröffentlicht, die teils dem wissenschaftlichen Sachstand widersprechen. Fachleute kritisierten deshalb einige der neuen Empfehlungen. Die Empfehlungen würden die Essgewohnheiten in den USA „revolutionieren“ und „Amerika wieder gesund“ machen, erklärte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. unter Anlehnung an seinen Slogan „Make America Healthy Again“.

Alle fünf Jahre veröffentlicht die US-Regierung neue Empfehlungen für die Ernährung. In der neuen Empfehlung werden US-Bürger dazu angehalten, möglichst wenig Zucker zu konsumieren. Für Kinder bis zum Alter von zehn Jahren wird dazu geraten, bei der Ernährung komplett auf Süßstoffe und zuckerhaltige Getränke zu verzichten. Auch der Verzehr von raffinierten Kohlenhydraten, wie in Weißbrot oder Weizentortillas enthalten, soll reduziert werden.

Stattdessen rät die neue Richtlinie zu mehr Protein: 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht sollte ein Mensch demnach zu sich nehmen. Frühere Empfehlungen gingen davon aus, dass etwa 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht für die meisten Menschen ausreichen. Das entspricht auch dem, was beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät.

Statt Fertiggerichte und andere industriell hergestellte Lebensmittel zu kaufen, sollen die US-Bürger ihr Essen der neuen Empfehlung zufolge aus frischen Zutaten selbst zubereiteten. Bei der neuen Ernährungspyramide stehen Fleisch, Milchprodukte und gesunde Fette nun auf der gleichen Stufe wie Gemüse und Obst. Sie sollen demnach mehr konsumiert werden als kohlenhydrathaltige Getreideprodukte, darunter auch ballaststoffreiche Vollkornprodukte wie Haferflocken.

Die Reaktionen von Ernährungswissenschaftlern und Gesundheitsexperten fielen gemischt aus: Die Empfehlung, Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel zu reduzieren, wurde positiv aufgenommen, der Fokus auf tierisches Eiweiß aber deutlich kritischer. Die Expertin Marion Nestle, emeritierte Professorin der New York University, kritisierte die neuen Empfehlungen etwa als „verworren, widersprüchlich, ideologisch und sehr rückständig“. Kritisiert wurde insbesondere, dass zu den empfohlenen tierischen und pflanzlichen Eiweißlieferanten jetzt auch rotes Fleisch zählt.

Dabei gilt dieses in höheren Mengen sogar als gesundheitsschädlich. Die Internationale Agentur für Krebsforschung beispielsweise, eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, stuft den Verzehr von rotem Fleisch seit 2015 als „wahrscheinlich karzinogen für den Menschen“, also in Zusammenhang mit Krebserkrankungen stehend. Zudem ist die Produktion von Fleisch im Allgemeinen, aber besonders von Rindfleisch, sehr klima- und umweltschädlich.

Gesundheitsminister Kennedy will vor allem das in der US-Bevölkerung weitverbreitete Übergewicht bekämpfen. Der Politiker sprach wiederholt von einem „Gesundheitsnotstand“ im Land: Chronische Krankheiten sollen seinem Ministerium zufolge durch die Fokussierung auf „sicheres, gesundes Essen, sauberes Wasser und die Beseitigung von Giften in der Umwelt“ eingedämmt werden.

Früher war Kennedy ein angesehener Anwalt für Umweltrecht, bevor er zunehmend mit Verschwörungserzählungen für Aufmerksamkeit sorgte. In der Vergangenheit vertrat er zudem wiederholt die widerlegte Theorie, Impfungen in der Kindheit führten zu Autismus. Im April gab er eine entsprechende Untersuchung dazu in Auftrag.

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