Ergebnis des Volksentscheids: Am Stadtrand wurde gewässert

Die Berliner am Stadtrand haben dafür gesorgt, dass das Quorum beim Volksentscheid erfüllt wurde. Vor allem Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf.

Am Ende hat es doch gereicht - für den ersten erfolgreichen Volksentscheid in Berlin. Bild: dpa, Wolfgang Kumm

Da musste Ulrike Rockmann dann doch ein bisschen lachen: Ob sie sich zur Aussage hinreißen lasse, dass der idealtypische Jasager beim Wasser-Volksentscheid ein älterer SPD-Wähler mit Eigenheim sei, war die Präsidentin des Berlin-Brandenburger Statistikamts gefragt worden. Eine Zuspitzung, die sie offensichtlich originell fand, sich aber nicht zu eigen machen wollte: "Zu so etwas lasse ich mich nicht hinreißen, bevor ich es nicht ausgerechnet habe."

Zusammen mit der Landesabstimmungsleiterin Petra Michaelis-Merzbach präsentierte Rockmann am Montag das vorläufige Ergebnis des ersten erfolgreichen Volksentscheids der Berliner Geschichte. Dass es zugleich der Entscheid mit der bisher geringsten Teilnahme war (27,5 Prozent der Stimmberechtigten), ist nur scheinbar widersprüchlich, denn der "Nein"-Anteil war durchweg marginal. Wer am Sonntag abstimmte, tat dies mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit im Sinne der Initiatoren.

Ein ganz anderes Randphänomen offenbarten die von Rockmann und Michaelis-Merzbach vorgestellten Grafiken: Sichtlich am stärksten war die Teilnahme an der Abstimmung in den städtischen Außenbereichen. Betrachtet man die zwölf Bezirke, stechen Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf mit hohen Teilnahmezahlen hervor. Die Mitbestimmungs-Goldmedaille dürfen sich die Treptow-Köpenicker an die Brust heften: 33,3 Prozent der Stimmberechtigten gingen hier an die Urnen, nach Abzug der Neinsager kreuzten immer noch 32,8 Prozent aller stimmberechtigten Einwohner das "Ja" auf dem Abstimmungszettel an. Regelrecht lethargisch dagegen: die BürgerInnen der Bezirke Mitte (22,5 Prozent Teilnahme), Lichtenberg (23,4) und Charlottenburg-Wilmersdorf (24,4).

Noch klarer wird die disparate räumliche Verteilung beim Blick auf die nach den 1.174 Stimmbezirken gegliederte Karte: Es sind fast nur Kieze außerhalb des S-Bahn-Rings, die mit mehr als 25 Prozent Teilnahme und Jastimmen an den Stimmberechtigten das Gesamtergebnis über das notwendige Quorum heben konnten. Die Hochburgen in diesem Szenario liegen im Norden und im Südosten der Stadt.

Michaelis-Merzbach und Rockmann ließen noch ein paar demografische Korrelationen zart durchschimmern: Stärker sei die Beteiligung in Gegenden mit überdurchschnittlich vielen alten Menschen gewesen, niedriger in Gebieten mit vielen Migranten und Hartz-IV-Empfängern. Einen positiven Zusammenhang gebe es zwischen der Beteiligung und der Stärke der Sozialdemokratie: Wo die SPD bei der Parlamentswahl 2006 gut abschnitt, gingen auch mehr Menschen zum Volksentscheid.

Der Rest ist Rätselraten: Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Abstimmungsverhalten und dem verkaufsoffenen Sonntag gab, wollte Thomas Rudek wissen. Der Mitinitiator des Volksentscheids nutzte die Pressekonferenz des Statistikamts als Plattform in eigener Sache - eine Antwort auf seine Frage blieben ihm die Einladenden aber schuldig. Auch Rudeks Vermutung, neben den Bewohnern von Eigenheimen seien die Kleingärtner in Scharen an die Urnen geströmt, wollten sie weder bestätigen noch dementieren. "Da hätten wir ja die Bürger beim Verlassen der Abstimmungslokale befragen müssen", sagte Rockbach. Solche "Exit-Polls" habe es aber nicht gegeben. Weshalb hier auch weiteres Rechnen wenig Erkenntnisgewinn verspricht.

Mehr Infos unter http://www.wahlen-berlin.de/

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de