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Elke Wittich Erste Frauen

Sheila Wilcox reitet 1968 vor den Augen der königlichen Familie Foto: imago/United Archives Keystone

Die erste Frau, die das berühmte Vielseitigkeits-Event „Badminton Horse Trials“ gewann, war Sheila Willcox zwar nicht, aber die jüngste und die bis heute erfolgreichste. Im Alter von 21 Jahren war ihr 1957 bei der dreitägigen Veranstaltung sozusagen ein Start-Ziel-Sieg gelungen, der nicht zu ungeteilter Freude bei den anderen Reitern gesorgt hatte. In einem Interview schilderte sie die Reaktionen auf ihren ersten Sieg damals so: „Die Männer waren entsetzt, dass ein Mädchen gewonnen hatte.“ Details nannte sie nicht, sondern beließ es bei einem kurzen Satz, der dennoch deutlich macht, wie ablehnend die männliche Konkurrenz auf ihren Erfolg reagiert hatte: „Es war ziemlich übel.“

Sheila Willcox ließ sich allerdings nicht beirren, sondern nahm die Chance, bei den Military-Europameisterschaften in Kopenhagen im selben Jahr zu starten, wahr. Dort gewann sie auf dem von ihr selbst ausgebildeten Pferd „High and Mighty“ gleich zwei Goldmedaillen in der Einzel- und der Mannschaftskonkurrenz. Damit und nach zwei weiteren souveränen Siegen bei den Horse Trials 1958 und 1959 wäre sie eigentlich schon fast automatisch für die Olympischen Sommerspiele in Rom qualifiziert gewesen.

Mehr olympische Männerdomäne als Military, heute Vielseitigkeit, ging aber damals nicht: Die Sportart war aus den Pferdeausbildungsprogrammen der Kavallerien hervorgegangen, die dreitägigen Veranstaltungen umfassten die Disziplinen Dressur, Springen und Geländeritt. 1912 war Military olympisch geworden, allerdings mit strengen Teilnahmebedingungen: Wer mitmachen wollte, musste nicht nur männlich, sondern auch Offizier sein. Erst 1952 bei den Spielen in Helsinki wurden diese Kriterien gelockert, erstmals durften auch Zivilisten und Unteroffiziers- oder Mannschaftsdienstgrade um Medaillen reiten. Bis Frauen zugelassen wurde, sollte es dagegen noch 12 weitere Jahre dauern.

Keine Chance also für Sheila Willcox. Und nicht nur das: Der britische Military-Verband übte mehr als nur subtilen Druck auf die junge Reiterin und ihre Familie aus, „High and Mighty“ an einen der bei Olympia startberechtigten Männer zu verkaufen. Sie gab schließlich nach und obwohl sie deswegen 1959 in Badminton mit einem jungen und unerfahrenen Pferd starten musste, gelang ihr dort der dritte Sieg in Folge – das hat bis heute niemand mehr geschafft.

Nicht einmal ihr Pferd durfte gewinnen

„High and Mighty“ gewann dagegen keine olympische Medaille, er habe gelahmt und sei deswegen nicht einsatzfähig gewesen, wurde Willcox mitgeteilt. Ob das stimmt, ist unklar. Als sie das Pferd kurze Zeit zurückkaufte, war es jedenfalls vollkommen gesund.

Auch nach der Heirat mit dem Unternehmer John Waddington gab Sheila den Pferdesport nicht auf. Dazu schrieb sie beliebte Fachartikel und sogar ein Buch über die Ausbildung von Military-Pferden, das bis heute nicht nur als sehr kenntnisreich, sondern auch als elegant formuliert und humorvoll bezeichnet wird. Sie galt dazu als sehr gute, wenn auch ehrgeizige Ausbilderin. Die Silbermedaillengewinnerin von 2012, Mary King, schilderte ihre Zeit als Jugendliche bei Willcox als hart – zumal wenn sie bei einem Nachwuchswettbewerb nicht Erste wurde. King betonte aber auch: „Ich habe ihr alles zu verdanken.“ In einem Nachruf fasste ihr Ex-Mann es so zusammen: „Sie konnte ungemein herzlich sein – aber wehe dem, der es wagte, ihr beim Gewinnen in die Quere zu kommen.“

Es war ziemlich übel

Sheila Willcox zu den männlichen Reaktionen auf ihre Erfolge

1971 endete Sheilas Military-Karriere mit einem Sturz, der dazu führte, dass sie teilweise gelähmt war. Das Reiten gab sie trotzdem nicht auf, sondern verlegte sich auf die Disziplin Dressur, wo sie einige Erfolge erzielte. Sheila Willcox starb am 9. Juni 2017 im Alter von 81 Jahren nach einer längeren Demenz-Erkrankung.

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