Einwanderung von Fachkräften steuern: Mehr Punkte für Ingenieure

eine neue Studie rät: Einwanderer sollen nach einem Punktesystem bewertet und so leichter nach Deutschland geholt werden, um den Fachkräftemangel zu lindern.

Gut Ausgebildete sind willkommen: Formular zur Einbürgerung. Bild: dpa

BERLIN taz Michael Bürsch nennt sich selbst einen Optimisten. "Ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Legislaturperiode ein Punktesystem einführen werden", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete, dessen Schwerpunkt Migration ist. "Es ist etwas begriffen worden, auch in der Union." Dennoch müsse man -durchaus auch in seiner Partei - für mehr Akzeptanz von Arbeitsmigration sorgen. Auch deshalb hatte die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie zur Steuerung von Arbeitsmigration in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis, das am Montag auf einer Tagung zum Thema präsentiert wurde, ist zwar nicht überraschend, aber dadurch nicht weniger wichtig: In den kommenden zehn Jahren werden jährlich allein zwischen 110.000 und 170.000 Ingenieure und Naturwissenschaftler fehlen. Um diesen Fachkräftemangel auszugleichen, müsse in der Migrationspolitik dringend umgesteuert werden. "Die bisherigen Regelungen bringen nicht das, was notwendig ist", sagte Steffen Angenendt von der Stiftung Wissenschaft und Politik, der die Untersuchung durchgeführt hat. Er verwies auf jüngst veröffentlichte Zahlen der OECD: Danach ist die dauerhafte Zuwanderung nach Deutschland deutlich zurückgegangen. In den weitaus meisten OECD-Ländern nimmt sie zu.

"Die Studie empfiehlt, zwei Verfahren einzuführen", so Angenendt weiter, "ein Punktesystem und ein arbeitsmarktbezogenes Engpass-Verfahren." Mit dem Punktesystem nach kanadischem Vorbild sollen gut qualifizierte Zuwanderer dauerhaft angeworben werden. Dabei werden für Kriterien wie Bildung, Sprache, Alter oder Familienstand Punkte vergeben und Bewerber nach der Punktezahl ausgesucht. Ein Arbeitsplatz muss nicht nachgewiesen werden. "Aufgrund der persönlichen Qualifikation kann man von einer Integration in den Arbeitsmarkt ausgehen", sagt Angenendt. Ein Punktesystem hatte die von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte unabhängige Süssmuth-Kommission schon 2001 vorgeschlagen, politisch war es bislang nicht durchsetzbar.

Ergänzt werden soll das Punktesystem durch das sogenannte Engpass-Verfahren. Damit sollen bei ganz akutem Bedarf in Wachstumsbranchen Arbeitskräfte für einen befristeten Aufenthalt angeworben werden. Bei Bedarf können diese Verträge verlängert werden. Angenendt: "Außerdem sollten sich die Einwanderer für das Punktesystem auch bewerben können."

SABINE AM ORDE

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