Einstiger Ökostrompionier nicht mehr öko: Einfach aussortiert
Die Umweltorganisation Robin Wood stört sich an der Mutterfirma des Ökostromers Lichtblick. Deswegen fliegt der aus der Liste empfohlener Anbieter.
Foto: dpa
Die Umweltorganisation Robin Wood hat ihren „Ökostromreport 2020“ veröffentlicht, der acht bundesweit tätige Grünstromanbieter empfiehlt. Gegenüber dem vorherigen Bericht aus dem Jahr 2016 haben sich ein paar Veränderungen ergeben. Die wohl gravierendste: Der große Anbieter Lichtblick ist nun nicht mehr in der Liste aufgeführt.
Neu hinzu kamen dafür die beiden Unternehmen Grün.Power und Mann Strom. Erneut qualifiziert haben sich in diesem Jahr die Bürgerwerke, die Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace Energy, Naturstrom, Ökostrom Plus und Polarstern.
Die Energiereferentin von Robin Wood, Ronja Heise, begründet das Ausscheiden des Hamburger Ökoenergie-Pioniers Lichtblick mit der Übernahme durch die Niederländische Eneco-Gruppe Ende 2018. „Eneco betreibt Gaskraftwerke und handelt mit Graustrom“, sagt Heise. Und das widerspreche den von Robin Wood angesetzten Kriterien.
Hinzu komme, dass Lichtblick auch dem Kriterium der Zusätzlichkeit nicht in ausreichendem Maße entspreche. Dieses verlangt, dass mindestens 33 Prozent der genutzten installierten Kraftwerksleistung aus Anlagen stammt, die höchstens zehn Jahre alt sind, oder dass der Anbieter die Energiewende mit einem Mindestbetrag von 0,5 Cent pro verkaufter Kilowattstunde fördert.
Robin Wood wertete 1.200 Angebote aus
„Anders als andere Anbieter hat Lichtblick keine feste Investitionszusage pro verkaufte Kilowattstunde“, sagt Heise. Der errechnete Betrag, den Lichtblick investiert, belaufe sich auf nur 0,2 Cent pro verkaufte Kilowattstunde. Beim vorherigen Ökostromreport 2016 hatte Robin Wood sich noch mit 0,1 Cent zufrieden gegeben, deswegen war Lichtblick damals noch dabei.
Die Umweltorganisation wertete diesmal die Angebote von 1.200 Unternehmen aus. Sie begründet ihre strengen Kriterien damit, dass es „ein Unding“ sei, wenn das Geld von Ökostromkunden „direkt oder indirekt wieder bei Kohle- und Atomkonzernen landet“.
Andere Ökostrom-Label sähen das weniger kritisch: So sei etwa ein Tarif des Anbieters NaturEnergiePlus Deutschland mit dem „Grüner Strom“-Label ausgezeichnet, obwohl der Anbieter zu 100 Prozent dem Energiekonzern EnBW gehöre. Und dieser betreibt Atom- und Kohlekraftwerke. Ähnlich verhalte es sich bei den Energiewerken Waldbröl, die das „OK Power“-Label tragen. Das Unternehmen gehöre zu 51 Prozent den Aachener Stadtwerken, die an Kohlekraftwerken beteiligt seien.
Neu am Ökostromreport von Robin Wood: Kunden können online nach regionalen Anbietern suchen. Häufig heißt es in der Auswertung: „Der Anbieter hat zwar einen Ökostromtarif, handelt daneben aber auch Strom aus Kohle- und Atomenergie.“
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert