: Einer von 215
Das EU-Parlament fordert die sofortige Freilassung des algerischen Schriftstellers Boualem Sansal
Vor nun über zwei Monaten wurde Boualem Sansal am Flughafen von Algier verhaftet. Der algerisch-französische Schriftsteller ist am 16. November aus Frankreich zurück in sein Heimatland gereist, seitdem befindet er sich in Haft. Schriftstellerkolleg:innen weltweit forderten daraufhin seine Freilassung, prominente Unterzeichner:innen eines vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Onlinemagazin Perlentaucher aufgesetzten Aufrufs sind etwa Salman Rushdie, Orhan Pamuk, Margaret Atwood oder Elfriede Jelinek.
Nun fordert auch das EU-Parlament in einer Resolution die sofortige Freilassung Sansals. Wie der Deutschlandfunk am Freitag berichtete, wurde die Resolution mit großer Mehrheit angenommen. Völkerrechtswidrig sei Sansal der Zugang zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand verweigert worden, heißt es darin. Zudem sei der 75-Jährige bereits mehrmals in ein Krankenhaus eingewiesen worden.
Erwähnung findet überdies, dass sich „die Lage in Bezug auf die Meinungsfreiheit in Algerien verschlechtert hat und das Land auf der Rangliste der Pressefreiheit 2024 auf Platz 139 zurückgefallen ist“. Nach Angaben „von algerischen Menschenrechtsverteidigern“ seien „mindestens 215 Menschen in Algerien als Gesinnungshäftlinge inhaftiert“, darunter der Journalist Abdelwakil Blamm und der Schriftsteller Tadjadit Mohamed.
Grund zum Eingreifen und der Verhaftung Sansals sahen die Behörden wohl in einem Interview, das dieser dem als rechtsextrem geltenden französischen Onlineformat Frontières gab: Darin äußerte sich Sansal kritisch über die Grenzziehung zwischen Algerien und Marokko, die die einstige Kolonialmacht Frankreich vornahm. Das ist insofern heikel, als sich Algerien und Marokko im Konflikt um die Westsahara befinden. Frankreichs Präsident Macron hatte sich zuletzt auf die Seite Marokkos geschlagen.
Boualem Sansal warnt seit Jahren vor den Gefahren des Islamismus. In seinen Büchern behandelt er die algerische Geschichte, auch über Tabuthemen wie den Holocaust und Homosexualität schrieb er. In Algerien konnten seine Bücher nicht erscheinen, trotzdem lebte Sansal bis zu seiner Verhaftung weiter im Land. (juhu)
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen