: „Einen Menschen nie aufgeben“
Seit dreißig Jahren lebt Daniels Pflegemutter Kunigunde M. im Kinderdorf in Merzig/ Saar. Sie hat als Kinderdorfmutter mehr als zehn Jungen und Mädchen großgezogen. Für eine Werbebroschüre ihres Kinderdorfs schreibt sie 1988:
Ich erinnere mich mit Freude daran, als die Kinder kamen. ... Aber es folgten auch harte Jahre. Einige (Kinder, d. Red.) durchliefen ihre Schul- und Ausbildungszeit ohne große Schwierigkeiten, fanden ihren Platz in der Arbeitswelt und in der selbstgegründeten Familie. Andere versuchten, ihre eigenen Wege zu gehen. Jeder gute Rat wurde in den Wind geschlagen, jeder Hilfeversuch wurde abgelehnt. Die Freunde – Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten – waren richtungweisend... Und doch habe ich erlebt, daß Jugendliche, die von der Gesellschaft schon abgeschrieben wurden, wieder neu beginnen können. Heute weiß ich, daß man einen Menschen nie aufgeben darf und daß man immer versuchen sollte, an das Gute in ihm zu glauben.
Daniels leibliche Mutter Therese M. war eine Pflegetochter von Kunigunde M. Sie schreibt in derselben Broschüre über ihre Kindheit und Jugend:
Als ich 1966 mit meinen vier Geschwistern ins SOS-Kinderdorf Saar kam, war ich gerade fünf Jahre alt. Unsere Kinderdorfmutter war gut zu uns... Dann kam eine Zeit, in der ich mich nicht verstanden fühlte. Ich fing an, meine eigenen Wege zu gehen und wollte einfach vom Kinderdorf weg... Eines Tages – ich war inzwischen 18 Jahre alt – merkte ich, daß ich schwanger war. Da bin ich einfach zu Mutti ins Kinderdorf getrampt. Mutti half mir, so gut sie konnte. ... Wir freuten uns auch gemeinsam (auf das Baby, d. Red.). Als ich Daniel zur Welt brachte, ließ sie mich nicht allein. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nahm ich mein Kind mit zu meiner Arbeitsstelle. Doch die Belastung – Kind und Arbeit – war zu groß für mich. So brachte ich Daniel zu meiner Mutter. Sie erzieht ihn mit sehr viel Liebe, was ich ihr nie vergessen werde!
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