: Eine Amerikanerin in Berlin
wir schlachten Christenkinder.
Ich wollte diesen ganzen Rassenkram eigentlich nur auf schlechten Stoff oder den Vollmond zurückführen, bis ich Volker Schloendorf in „Die Nacht der Regisseure“ verkünden hörte, er könne in jedem Stück Film, ob von früher oder heute, Foto: Christian Schulz
das Gesicht einer deutschen Frau erkennen. Die anderen deutschen Regisseure in dem Film machten die Sache nicht besser, indem sie ihr gemeinsames Problem als den Mangel an Bildern identifizierten. Da die vorherige Generation der Filmemacher faschistische Filme machte, erklärten sie, und da sie – die Filmemacher der Nachkriegszeit – dieser Kultur nicht angehörten, fehle ihnen die Tradition, in der sie arbeiten könnten. Das ist, als wollte ich sagen: Weil ich gegen Rassismus in den USA bin, hätte ich nichts mit der Kultur zu tun, die ihn hervorbringt.
Reitz, der Interviewer, scheint sich der tieferen Schichten des Rassismus ein bißchen besser bewußt als seine Gesprächspartner. Zum Beispiel nahm er Bilder auf, mit denen er deutlich machte, daß das Genre der Heimatfilme in Inhalt oder Form sich seit den dreißiger Jahren bis hin in die Fünfziger kaum verändert hatte – so viel zum Nachkriegs-Bruch mit der Kultur des Dritten Reiches. Er ließ die „traditionslosen“ Nachkriegs-Filmemacher auch beschreiben, wie sie ihre Figuren in den mythischen deutschen Wald schicken, wenn Momente moralischer Krisen ins Haus stehen. Kurz: die Künstler im Film bezeichnen sich als kulturelle Waisenkinder, obwohl sie es gar nicht sind.
Es ist die Selbsttäuschung des Täters, die in Demokratien stärkere Macht besitzt als in offen hierarchischen Regimes. Zum Schutt der Demokratie gehört es, lieber Opfer zu sein als mächtig (oder doch jedenfalls lieber als Opfer zu erscheinen). Daher die Suche nach dem Opferstatus überall, bei deutschen Filmemachern wie bei Juden. Ich wäre viel lieber in Deutschland das Opfer (soll doch jene freundliche Frau sich mies fühlen) als auf der Westbank der Schweinehund. Der Opferchic wirft allerdings ein Problem auf: er verbirgt die Opfer der Gewalt ebenso wie die Besonderheiten der Gewalttat (wie auch die des Tolerierens und Wegsehens).
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Als Wim Wenders in „Die Nacht der Regisseure“ verkündete, Filmemachen sei eine männliche Übung, weil damit die gewalttätige Inbesitznahme von Bildern verbunden sei, war ich richtig erleichtert: endlich war jemand bloß schlicht sexistisch. Marcia Pally
Aus dem Amerikanischen von Meinhard Büning
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