: Ein Heer von Freiwilligen
Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul will Jugendliche mit Geld zum Hilfsdienst in ärmeren Ländern animieren. Das Programm stößt auf ungeteilte Zustimmung
BERLIN taz ■ Die Ankündigung von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), Jugendlichen künftig einen Freiwilligendienst in Entwicklungsländern zu finanzieren, stößt auf große Resonanz. In den letzten zehn Tagen hätten sich bereits mehrere hundert Interessierte gemeldet, sagte ein Ministeriumssprecher der taz.
Anfang des Jahres hatte die Ministerin bekannt gegeben, dass mit Beginn des Jahres 2008 ein „entwicklungspolitischer Freiwilligendienst“ für Jugendliche zwischen 18 und 28 Jahren seine Arbeit aufnehmen will. Damit schließe man eine Lücke, heißt es aus dem Ministerium. Andere Länder verfügen bereits über solche Freiwilligendienste – etwa die USA mit „Peace Corps“.
Der neue Dienst soll drei Monate bis zwei Jahre dauern. Während ihres Einsatzes werden die Jugendlichen monatlich insgesamt 580 Euro aus dem Ministerium erhalten. Daraus sollen Unterkunft, Verpflegung, Versicherungen und Taschengeld finanziert werden. In Frage kommen Projekte bei Nichtregierungsorganisationen und privaten Trägern. Mittelfristig sollen 10.000 Plätze geschaffen werden. 70 Millionen Euro werden dafür bereitgestellt.
„Wir wollen, dass sich auch einkommensschwächere Jugendliche international engagieren können“, sagte Wieczorek-Zeul. Die Freiwilligendienste, die private Träger anbieten, seien oft „mit hohen Kosten für die Bewerberinnen und Bewerber“ verbunden. Die Ministerin erklärt, es sei auch aus gesellschaftspolitischer Sicht zu begrüßen, wenn sich junge Leute engagierten und Erfahrungen sammelten. Dies stärke in den Partnerländern die zivilgesellschaftlichen Strukturen. Zuhause in Deutschland könnten die Rückkehrer zu mehr entwicklungspolitischem Bewusstsein in der Bevölkerung beitragen.
Bei vielen Verbänden, die Projekte im Ausland betreuen, stößt der Vorschlag auf Zustimmung. Der Präsident der Deutschen Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuß, sagte: „Ein Einsatz in den Ländern bietet jungen Menschen Erfahrungen, die sie ein Leben lang prägen werden, und sie werden so zu wichtigen Multiplikatoren für die Armuts- und Hungerbekämpfung und nicht zuletzt der Völkerverständigung.“ Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend bezeichnete das Programm als „Gewinn für alle Seiten“.
Auch der Dachverband der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen Venro begrüßt die Idee „prinzipiell“, fordert allerdings dafür eine gute Vorbereitung, damit die Freiwilligen den Mitarbeitern der Projekte nicht im Weg stehen oder lokalen Arbeitskräften ihren Job wegnehmen.KATHARINA KOUFEN
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