Editorial: Toxisch flexibel
Von unserer Redaktion↓
In Baden-Württemberg ist die AfD seit 2022 als rechtsextremer Verdachtsfall unter Beobachtung des Landesverfassungsschutzes. Wann weitere Schritte folgen, ist ungewiss. Dass schon die vorhandenen Erkenntnisse ausreichen, ein Verbot zu überprüfen, fanden einige Tausend Menschen, die sich vergangenen Samstag zur „Prüf-Demo“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz versammelt hatten.
Vor allem die Vernetzung der AfD lassen tief blicken und zeigen, wes rechtsextremen Geistes Kind sie ist. Wo anfangen? Vielleicht bei Oliver Hilburger. Der war mal bei der Neonazi-Rockband „Noie Werte“. 2008 verließ Hilburger „Noie Werte“, 2009 gründete er die rechte Pseudo-Gewerkschaft Zentrum Automobil, die mittlerweile nur noch Zentrum heißt. Vor einigen Jahren stand der Verein mal auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD, und auch nachdem dies aufgehoben wurde, gab Parteichefin Alice Weidel zu Protokoll, Zentrum „für hochgradig toxisch“ zu halten. Aber wohl nicht toxisch genug, um nicht vergangene Woche bei einem Termin vor dem Mercedes-Werk Untertürkheim zu einem AfD-Wahlkampftermin mit Hilburger zu erscheinen. Pardon, stets ein paar Meter von ihm entfernt. Soviel Selfie-Unvereinbarkeit muss sein.
Kontext dreimal live
Zum Kontext-Projekt „Recherche gegen Rechts“ gibt es nun auch eine Broschüre: Auf 68 Seiten sind zehn Beiträge der Reihe versammelt, bestellbar per E-Mail unter verwaltung@kontextwochenzeitung.de gegen eine Spende oder gleich mitnehmen bei der Vorstellung der Publikation am 1. März im Stuttgarter Kulturzentrum Merlin. Ab 18.30 Uhr sind dort mehrere Autor:innen der Reihe auf dem Podium, darunter die bundesweit bekannte Fachjournalistin Andrea Röpke. Wir bitten um Anmeldung an: info@merlinstuttgart.de.
Am 25. Februar wird im Stuttgarter Renitenztheater um 20 Uhr das Buch „Mut zum Unmut. Eine Anleitung zur politischen Widerspenstigkeit“ vorgestellt. Mit Autor Paul Starzmann wird dort Kontext-Chefredakteurin Anna Hunger diskutieren, der Journalist und Autor Dietrich Krauß („Die Anstalt“) moderiert.
Ob bei Günther Oettinger in irgendeiner Weise von politischer Widerspenstigkeit gesprochen werden kann, sei dahingestellt, eine gewisse Renitenz gegenüber einlullend-gefälligem Sprachduktus ist dem ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg zweifellos zu eigen. Am 3. März haben ihn unsere Partner:innen von der Berliner taz zum Landtagswahl-Streitgespräch mit dem grünen Finanzminister Danyal Bayaz auf 17 Uhr ins Theaterhaus Stuttgart geladen, die Moderation teilen sich Kontext-Autorin Johanna Henkel-Waidhofer und taz-Chefreporter Peter Unfried.
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