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■ Sicheres BerlinEckart Werthebach peilt die Lage

Innensenator Eckart Werthebach (CDU) steht vor einer Herausforderung und lädt heute schon einmal die Presse zur Lagebesprechung: Nächste Woche tagt in Berlin der EU- Gipfel und zeitgleich beginnt in der Türkei der Prozeß gegen PKK-Chef Öcalan. Im Zusammenhang mit beiden Ereignissen rechnet die Polizei vermehrt mit Demonstrationen und Protestaktionen.

Und diese Einsicht erhöht den Druck auf den Innensenator, endlich ein schlüssiges Sicherheitskonzept für die Hauptstadt vorzustellen. Das klagen das Abgeordnetenhaus und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schon lange ein. Die Polizei sei nicht „hauptstadtfähig“, sagt der Vorsitzende der Berliner GdP.

Wertvolle Tips zum Thema hat Dierk Henning-Schnitzler parat, der als Bonner Polizeipräsident fünf Jahre lang Hauptstadtfähigkeit bewiesen hat. Seine Tips sind kein Geheimnis. Im Gespräch mit der taz erläutert Henning-Schnitzler Konkretes: Wie die Bonner Polizei mit der Besetzung der kenianischen und griechischen Botschaft fertig wurde, ohne Blut zu vergießen; und er nimmt Stellung zu Grundsätzlichem: Eine Bannmeile sollte möglichst klein sein, weil man sie besser schützen kann, und man braucht sie nicht an allen 365 Tagen im Jahr. Und: Der Personenschutz sollte zurückhaltend sein, und ein Händchen im Umgang mit der Diplomatie beweisen. Kurz: Henning- Schnitzler plädiert eher für Augenmaß und Gelassenheit und weniger für mehr Polizei und mehr Ausrüstung, seine erfolgreiche „Bonner Linie“.

All das hat der Polizeipräsident auch schon den Kollegen gesagt, die von der Spree an den Rhein gefahren waren, um sich schlau zu machen. Doch die Berliner Delegation brach den Besuch schon weit vor dem geplanten Termin ab. „Alles nüscht für uns, alles viel zu klein. Sie haben von vorherein gewußt, daß sie erstens alles anders und zweitens alles viel besser machen würden“, meint Henning-Schnitzler. Petra Groll

Interview Seite 21

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