piwik no script img

Dumm, aber gerissen

Söders Nachwuchs verrät sich bei Quizshow

„Söder-Tochter erkennt Kohl und Adenauer nicht“, ergötzten sich die dpa-Dauerglotzer gestern am erwartbaren Lapsus der vom amtierenden Bayernführer vor mehr als zwei Dekaden tolldreist in die Welt gesetzten Kandidatin Gloria-Sophie Burkandt, die sich im moribunden Privatfernsehen recht erfolgreich um den Titel „Deutschlands dümmster Promi“ bewirbt. „Wegen seiner Krawatte“ mit Blümchenmuster hielt Burkandt das Oggersheimer Urgestein bei der Quizshow gar „für einen Sozialdemokraten“. In der CSU-Schwesterpartei sorgte der absichtsvoll platzierte Empörungsköder des listigen Nepobabys für Schnappatmung und Herzklabaster. Über nichts echauffiert man sich in konservativen Kreisen lieber als über Ignoranz und Impertinenz der Jugend. Reihenweise griffen sich altgediente Politkader ans schwache Herz und fielen mausetot um. Wenn die „Söder-Tochter“ in der nächsten Raterunde die katholische Soziallehre den Marxisten zuschustert und die deutsche Einheit von Willy Brandt umgesetzt sieht, wird in der konservativen Partei bald niemand mehr übrig sein, der die Machtübernahme durch die Münchener Erbmonarchie verhindern kann.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen